Transportunternehmen Planzer gründet eine Software-Boutique

Planzer will mit dem IT-Dienstleister Techgroup neue Geschäftsfelder erobern: Mit Logistik-Lösungen.
 
Über 2000 Lastwagen, 5200 Mitarbeitende und allein 59 Schweizer Standorte unterhält das Transportunternehmen Planzer. Die blauen Lastwagen mit dem markanten Schriftzug kennt jeder Autofahrer. Doch zu dem familiengeführten Unternehmen gehört auch die rund 60-köpfige Planzer Informatik, die seit vielen Jahren mit dem Zuger IT-Dienstleister Techgroup zusammenarbeitet.
 
Jetzt haben sich Planzer und die Techgroup zusammengetan und ein Joint Venture aus der Taufe gehoben: "Maison du Software". Der Verzicht auf einen deutschen oder englischen Namen unterstreicht den etwas prätentiös wirkenden Auftritt der Software-Schmiede als "Atelier für gehobene Ansprüche". Wie Jan Pfenninger, Kommunikationschef bei dem Transpörtler auf Anfrage bestätigt, handelt es sich um eine im Aufbau befindliche "IT-Boutique", die mit einem hochspezialisierten Angebot in Sachen Lager- und Transportlogistik den Markt adressiert.
 
Geführt werde sie von Techgroup-Inhaber und CEO Melih Kaya, von Planzer sei IT-Chef Peter Hagen mit an Bord. Ein formaler Joint-Venture-Vertrag, der die Gleichberechtigung der beiden Partner regle, existiere nicht. In der Transportbranche zähle ein Handschlag gleichviel, so Pfenninger.
 
Wenig verwunderlich, streicht das neue Software-Haus klar seine Kernkompetenzen heraus. Man biete "nicht irgendein Standardprodukt", heisst es im Online-Auftritt. Vielmehr werde die jeweilige Software exakt auf die benötigte "Kragenweite" zugeschneidert. Im Zentrum stehe, wer Güter mit einem oder mehreren Verkehrsträgern ausliefern will, Waren ein- und auslagert, den Vertrieb an verschiedenen Standorten steuern oder die hauseigenen Abteilungen miteinander vernetzen will, heisst es weiter.
 
Auf der Angebotseite stehen massgefertigte, auch mobile Apps für Industrieapplikationen in Logistik oder Handel. Als deren "vitale Funktionen" wird das Scanning von Bar- oder QR-Codes angepriesen oder auch deren GPS- und Navigationsfähigkeiten. Ausserden liefere man IaaS, PaaS und SaaS Cloud-Services auf Azure-Basis, bei denen ein "Grossteil" der Daten in der Schweiz gehostet werde. Auch das Gestalten und Programmieren von Websites hat das Software-Haus im Angebot. Neben der Azure-Cloud setze man auf Visual Studio, Microsoft SQL, Service Fabric, Microservices und Domain-driven Design. Alles in allem also die Services eines klassischen IT-Dienstleisters.
 
Damit ist ein Entwicklungs-Ansatz angesprochen, den Planzer derzeit schon intern pflegt. So hatte Planzer-IT-Chef Hagen kürzlich in einem Interview mit dem 'IT-Markt' erklärt, dass die drei grössten der fünf Business-Bereiche des Unternehmens mit Eigenentwicklungen abgedeckt werden: Stückgutlogistik, Paketlogistik und Lagerlogistik. Nur in der Spedition und beim Home Service arbeite man wie im Back Office mit Standardlösungen.
 
Derzeit wird das Büro des Maison du Software an der Zürcher Hardturmstrasse von Kaya geführt. Mitarbeiter werden gesucht. Klar sei aber, dass gerade nicht die Kompetenz der in Dietikon ansässigen Planzer-IT einfach an den neuen Standort transferiert werde. Zwar werde man Synergien nutzen und Weiterentwicklungen lancieren können. Doch die Idee sei, zusätzliche Kompetenzen aufzubauen, mit denen auch Lösungen ausserhalb der Lager- und Transportlogistik adressiert werden können, so Pfenninger.
 
Schliesslich erhofft sich der Transpörtler über das Maison du Software neue Talente anziehen zu können. Denn wer, fragt der Pressersprecher rhetorisch, bringt Planzer schon mit einem IT-Unternehmen in Verbindung. (vri)