Tech-Titel-Sturzflug: Nun ist es offiziell eine Baisse

Vom Sturzflug der sogenannten FAANG-Aktien ist derzeit viel die Rede: Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google (eigentlich Alphabet, aber FAANA oder FAAAN klingen nicht so toll) haben krass an Börsenwert verloren. Alle Titel haben mindestens 20 Prozent an Wert eingebüsst, verglichen mit dem Höchststand in den letzten 52 Wochen. Die FAANG-Gruppe war mit ihrer aussergewöhnlichen Performance lange das Zugpferd der Tech-Wirtschaft. Nach dem kometenhaftem Aufstieg sind die Konzerne nun aber schon seit zwei Monaten in Bedrängnis.
 
Auch Microsoft, der nach Apple und Amazon drittstärkste Konzern nach Marktkapitalisierung, hat seit Anfang Oktober fast zehn Prozent eingebüsst. Dies entspricht aber einer Talfahrt der US-Börsen seit fast zwei Monaten, mit kurzer zwischenzeitlicher Erholung. Dies in einem Umfeld, das mit den Handels-Konflikten, der anstehenden Umsetzung des Brexit, Angst vor einem Konjunkturabschwung und der Ankündigung von höheren Zinsen als ungünstig bezeichnet werden muss.
 
Für Techaktien dürfte zudem negativ zu Buche schlagen, dass in der EU über eine Digitalsteuer für Tech-Konzerne debattiert wird. Auch die Debatten um die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und Regulierungen werden das ihre zur Talfahrt beigetragen haben.
 
Facebooks Wert ging im 52-Wochen-Vergleich um fast 40 Prozent zurück. Dem Konzern machen Manager-Exodus, Datenschutz-Skandal, ein massiver Hack, aber auch schwachen Wachstumszahlen zu schaffen. Um das etwas in Perspektive zu rücken: Damit verlor Facebook rund 250 Milliarden Dollar seines Börsenwertes, wie 'CNBC' nachrechnet.
 
Für Netflix, das rund 36 Prozent an Wert verloren hat, zeichnet sich starke Konkurrenz im Streaming-Markt ab. Ausserdem scheinen den Anlegern die Abonnenten-Zahlen zu langsam zu wachsen.
 
Amazon liegt über 25 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Der Konzern machte zwar weniger Wirbel mit schlechten Nachrichten, musste aber Ende Oktober tiefere Wachstumszahlen verkünden, als von Anlegern erhofft.
 
Apple, der in Bezug auf den Börsenkurs zurecht als iPhone-Konzern bezeichnet werden kann, verzeichnet schlechte Verkaufszahlen seiner neusten Smartphone-Modelle und verkündete bereits letzten Monat eher ernüchternde Prognosen. Das Unternehmen büsste 21 Prozent seines Marktwertes ein, das entspricht 222 Milliarden Dollar. Apples Wert liegt nun wieder unter der 1-Billionen-Dollar-Marke.
 
Förderlich war es für den Aktienkurs von Amazon und Apple bestimmt auch nicht, dass 'Bloomberg' kürzlich davon berichtete, dass die beiden Techgiganten vom Skandal um chinesische Spionagechips betroffen sind.
 
Alphabet musste Werteinbussen von 20 Prozent hinnehmen. Erst vor einigen Tagen nahme die Cloud-Chefin von Google den Hut. Das Geschäft im zukunftsträchtigen Markt will im Vergleich mit Amazon und Microsoft nicht wirklich anziehen, auch wenn der Konzern kürzlich eine hohe Wachstumsrate für den Bereich auswies.
 
Das Fazit der Analysten: Die Tech-Aktien sind im sogenannten Bärenmarkt angekommen. Als Schwelle dafür wurden die 20 Prozent Werteinbussen im Vergleich mit dem 52-Wochen-Hoch definiert, danach spricht man von einem Bärenmarkt oder einer Baisse und einem sinkenden Vertrauen der Kapitalanleger.
 
Die Schweizer Nationalbank hatte wohlweislich schon vor einiger Zeit Teile ihres Tech-Portfolios abgestossen – besitzt aber immer noch grosse Anteile. (ts)