Orakel-Problem: Macht die Blockchain einen Sprung vorwärts?

Smart Contracts gelten als jener Anwendungsfall der Blockchain, der viele Branchen revolutionieren könnte. Entsprechend fleissig wird investiert und geforscht. Allerdings gibt es noch eine Reihe von technischen aber auch juristischen Hürden und Fallstricken. Eines dieser Probleme, das Problem der sogenannten Orakel, könnte sich in näherer Zukunft möglicherweise lösen lassen, dies zumindest schreibt das renommierte Wissenschafts-Magazin 'MIT Technology Review'.
 
Aber in aller Kürze der Reihe nach: Ein Smart Contract ist ein Programm, das unter vordefinierten Ereignissen automatisch eine rechtlich relevante Handlung vornimmt, wie etwa die Verschiebung von Vermögenswerten. Um diese Handlung zu initiieren und umzusetzen, muss der Algorithmus aber eine Verbindung in die reale Welt haben: Er muss in Form von Echtzeit-Datenfeeds etwa auf Wetterdaten, Flugdaten, Wechselkurse und ähnliches zugreifen können. Dies sei eine technologische Herausforderung, die sich bislang nicht befriedigend lösen liess, so die 'MIT Technology Review'. Sie ist als "Orakel-Problem" bekannt.
 
Dieser Zugriff ist nicht selbst in der Blockchain gesichert, sondern muss über so genannte Orakel-Dienste hergestellt werden. Zentralisierte Stellen, welche die Daten einspeisen, können aber ihrerseits Ziele für Manipulation sein – besonders verheerend ist dies, da die Daten in der Blockchain bekanntlich unveränderbar gespeichert werden.
 
Nun könnte sich aber Licht am Horizont abzeichnen, so das vom MIT herausgegebene Magazin: Ein Startup namens Chainlink kombiniere seine Software mit einem vertrauenswürdigen Hardware-System namens Town Crier, das von einer Gruppe von Wissenschaftlern entwickelt worden sei. Dies stelle eine "High-Trust"-Brücke zwischen der Ethereum-Blockchain und HTTPS-fähigen Datenquellen her, wie die Forscher der Cornell Universität in einem wissenschaftlichen Papier (PDF) beschreiben.
 
Kernkomponente sei dabei ein Programm, das innerhalb einer sicheren Enklave in einem isolierten Hardwareteil laufe, so die 'MIT Technology Review'. Hier sollen Abfragen aus der Blockchain eingehen und dann automatisiert Datenquellen abgeforstet werden. Zudem soll kryptographisch sichergestellt werden, dass die Blockchain "weiss", dass die Daten nicht manipuliert sind und von Town Crier stammen.
 
Dies allein bietet trotz höherem Schutz aber noch nicht die Sicherheit der Blockchain. Darum die Zusammenarbeit mit Chainlink: Deren Software soll dezentrale Orakelnetzwerke orchestrieren, so dass sich die Blockchain nicht auf einen einzigen Dienst verlassen muss, sondern auf mehrere im Netzwerk verbundene Orakel. Zudem soll der Chainlink-Service mithilfe der Blockchain nachweisen, dass die Daten tatsächlich die Informationen sind, die er bereitstellen soll.
 
Damit könnten die zentralen Orakel-Dienste durch sichere dezentrale Orakel-Netzwerke ersetzt werden, verspricht Sergey Nazarov, CEO von Chainlink. Das Startup hat sich mit verschiedenen Smart-Contract-Projekten zusammengetan, um diesen Beweis zu erbringen. Ob er wirklich gelingen kann, das Orakel-Problem vollständig zu lösen, wisse man derzeit aber noch nicht, so ein Projekt-Beteiligter gegenüber der 'MIT Technology Review'. Es sei aber ein guter erster Versuch. (ts)