ISB räumt ein: Schweiz hat E-Gov-Defizit

Basisdienste wie eine staatlich anerkannte E-ID fehlen und werfen die Schweiz im EU-Vergleich weit zurück.
 
Die EU Kommission hat ein weiteres Mal eine Vergleichsstudie zum Stand der E-Government-Einführung in Ländern der EU und einigen weiteren europäischen Ländern durchführen lassen. Und auch im E-Government Benchmark 2018 schneidet die Schweiz, wie schon in manchen früheren Jahren, in diesem Vergleich schlecht ab. In der Gesamtbeurteilung liegt unser Land im unteren Drittel der Rangliste, zusammen mit den Ländern Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Serbien, Montenegro, Ungarn und Kroatien.
 
An der Spitze der Gesamtrangliste findet man Malta, Estland, Österreich, Lettland und Dänemark.
 
Wie das Informatiksteuerungsorgan des Bundes (ISB) in einer Mitteilung zur aktuellen E-Government Benchmarkt schreibt, sei es vor allem das Fehlen beziehungsweise der Rückstand bei gewissen Basisdiensten für E-Government, welche die Schweiz bremsen. Dazu gehöre beispielsweise, dass der elektronische Versand von Informationen und Dokumenten zwischen Staat und Bevölkerung oder Unternehmen noch wenig etabliert sei. Zudem ist eine staatlich anerkannte elektronische Identität noch nicht verfügbar.
 
Immer wieder das Gleiche eingeben
Und erst sehr wenige Behörden, so das ISB weiter bieten den Service an, Formulare mit bereits vorliegenden Daten vorauszufüllen. Für den User heisst dies, dass er die immer gleichen Infos immer wieder eintippen muss. Die Studie illustriert der Rückstand der Schweiz gegenüber anderen europäischen Staaten in dieser Beziehung deutlich: Im "Authentic sources score", der dieses Kriterium misst, belegt die Schweiz den 36. und letzten Platz.
 
E-Gov-Services für Unternehmen besser
Ziemlich anders als in der Gesamtbetrachtung sieht es laut der Studie aber aus, wenn man spezifisch E-Government-Services für Unternehmen betrachtet. In dieser Rangliste liegt Helvetien auf dem zwölften Platz, und damit ausnahmsweise auch vor unseren Nachbarländern Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien.
 
Die Studie
Für die Benchmark-Studie analysieren von der EU beauftragte Marktforscher wie durchgängig Bürger und Unternehmen gewisse Lebensvorgänge und Aktivitäten, für die sie mit Behörden in Kontakt treten müssen, online abwickeln können. In die Ausgabe 2018 flossen Ergebnisse von Analysen aus den Jahren 2016 und 2017 ein. 2016 wurden die Vorgänge "Unternehmen gründen", "Job verlieren und finden", "Familienleben" und "Studieren" untersucht. 2017 waren es "ein Business betreiben", "umziehen", "ein Auto besitzen" sowie "eine Zivilklage einreichen". (Hans Jörg Maron)