Studie zieht Bilanz zu zehn Jahren BPO von Schweizer Banken

In einer Umfrage versucht Belmont Consulting Services eine Bilanz der letzten zehn Jahre Business-Process-Outsourcing (BPO) von Schweizer Banken zu ziehen. Die These: BPO sei nach der 2008 ausgebrochenen Finanzkrise vom Diskussionsthema zur Business-Realität vieler Schweizer Banken geworden (mindestens ein Thema war BPO schon einige Jahre früher).
 
Dabei suchen die Consultants unter anderem Antworten darauf, ob BPO die Versprechungen in der Schweiz erfüllt habe.
 
Versprochen wurde den Banken, dass sie in Zeiten stark sinkender Margen dank BPO die Kosten drastisch senken könnten. Hier gebe es enormes Potential speziell für kleinere Banken, prognostizierten diverse Papiere von Experten und Anbietern. Heute, so die Studie, zeige sich, dass finanzielle Einsparungen gar nicht die Hauptmotivation für die befragten Schweizer Banken waren, um auf BPO zu setzen. Und die Einsparungen hielten sich laut der Zusammenfassung der Studie im Promille-Bereich der verwalteten Vermögenswerte, so 'Le Temps' (das vollständige Original konnten wir bis Redaktionsschluss nicht einsehen).
 
Das Motiv für die Wahl von BPO sei meistens, dass die Bank gar keine Wahl habe: Entweder kann die Bank die eigenen Legacy-Systeme gar nicht mehr updaten oder deren Möglichkeiten sind in Zeiten der Digitalisierung zu eng begrenzt. Die neuen Regulatorien hätten den Schritt zum Outsourcing von Dienstleistungen zusätzlich beschleunigt.
 
Ein dritter Faktor sei, dass die Bank mit dem Outsourcing Fixkosten in variable Kosten umwandeln kann, so die Studie. Statt Lohn- und Lizenzkosten kommen beim BPO je nach Typus unter anderem Usage- oder User-basierte Abrechnungsmodelle zum Tragen.
 
Wie die Studie der Lausanner Banken-Consultants auch zeigt, sind die befragten Banken mit den BPO-Anbietern nicht rundum zufrieden. Die Anbieter hätten Schwierigkeiten, den wachsenden Anforderungen der Banken gerecht zu werden. Ebenso verhalte es sich mit den regulatorischen Änderungen oder der Digitalisierung von Dienstleistungen.
 
Nicht zuletzt wünschen sich die befragten Banken von ihren BPO-Partnern mehr Transparenz über neue Entwicklungen und für sie resultierende Kosten.
 
Entsprechend ist laut den Consultants Frustrationspotential vorhanden. Im Schnitt bleiben die befragten Banken ihren BPO-Anbietern sieben Jahre treu. Damit wäre im BPO-Markt Schweiz mehr Bewegung als bislang vermutet. Das "Handout Swiss Banking 2017" zeigte beispielsweise, dass über 200 Schweizer Banken irgendein BPO-Modell haben, aber im untersuchten Jahr nur gerade zwei Vertragsabschlüsse zwischen BPO-Providern und Banken abgeschlossen wurden.
 
Die Studie basiert auf einer Umfrage unter C-Level-Executives von 28 Schweizer Banken mit zehn bis 300 Mitarbeitern, welche BPO-Projekte haben. Darunter waren zumindest vorwiegend welsche Privatbanken. (mag)