Warum IBM stärkere Regulierung von Internet-Konzernen fordert

IBM-CEO Ginni Rometty, griff bei einem Treffen mit EU-Spitzen die Internetplattformen wegen Missbrauchs von Kundendaten an. Sie befürwortete Bemühungen der EU, den Datenschutz und Datennutzung von Internetkonzernen stärker zu überwachen und zu regulieren.
 
"Der Ursprung der Vertrauenskrise ist der unverantwortliche Umgang durch einige dominierende Consumer-Plattformen mit personenbezogenen Daten", sagte Rometty ohne Namen zu nennen. Diese Websites "haben mehr Einfluss auf die öffentliche Meinung als Zeitungen oder das Fernsehen je hatten, aber sie unterliegen nur sehr wenigen Vorschriften oder Verpflichtungen."
 
Es müssten nun regulatorische Schritte unternommen werden, so Rometty: "Ich würde ein regulatorisches Skalpell verwenden, keinen Vorschlaghammer", denn letzterer würde die Tech-Branche als Ganzes betreffen.
 
Damit bemüht sich ein weiterer Tech-Konzern um Abgrenzung von B2C-Tech-Unternehmen wie Facebook und Google abzugrenzen, die vom Daten sammeln und verkaufen leben.
 
Bereits zuvor hatten Apple-CEO Tim Cook und Salesforce-Chef Marc Benioff in das gleiche Horn geblasen. Alle fordern zudem, dass die Social-Media- und Suchmaschinen-Konzerne für die Verbreitung von illegalen Inhalten haftbar zu machen seien.
 
Der Hintergrund: IBM, Apple und Co. wollen nicht zum regulatorischen Kollateralschaden werden, wenn die EU und die USA ihre Regulierungen überarbeiten und verschärfen sollten. Laut 'Wall Street Journal' (Paywall) mussten IBM und seine Business-Kunden wegen der DSGVO Hunderte von Millionen Dollar investieren, obwohl sie sich von Problemen wie Facebook und Google gar nicht betroffen sehen.
 
IBM will zudem im B2B-Sektor in zukunftsträchtigen Bereichen wie Cloud, KI und Security die sinkenden Erlöse im herkömmlichen Business kompensieren. Entsprechend verwies Rometty darauf, dass die Anforderungen im B2B-Business andere seien als im B2C. Insbesondere bei KI will sie eine Consumer-gerichtete Regulierung verhindern und forderte, dass die EU-Verantwortlichen mehr Transparenz von KI-Lösungen einfordern.
 
Dies liegt nicht im Interesse der B2C-Firmen, aber würde in die Hände von IBM spielen: Es ist sehr geschäftsrelevant, dass IBM-Kunden dem Output der KI-Lösungen vertrauen, die sie nutzen. Und dabei spielen Transparenz und Kontrollmöglichkeiten eine wichtige Rolle, wenn Risiken falscher Entscheide drohen. (mag)