Google-Angestellte und Amnesty wollen China-Suche stoppen

Nicht mal einen Monat ist es her, seit Tausende von Google-Mitarbeitenden weltweit auf die Strasse gingen, um gegen das Verhalten des Konzerns bei Fällen von sexueller Belästigung zu protestieren. Und sie setzten Policy-Änderungen durch.
 
Nun ist die Chefetage schon wieder mit Protesten konfrontiert: "Google muss Dragonfly fallen lassen", so die Forderung einer Petition, die rasch von Hunderten von Google-Angestellten unterzeichnet wurde.
 
"Dragonfly" ist das lange Zeit geheim gehaltene Projekt, eine zensierte Suchmaschine speziell für China zu lancieren.
 
"Wir gehören zu Tausenden von Mitarbeitern, die seit Monaten unsere Stimmen erheben. Internationale Menschenrechtsorganisationen und investigative Reporter haben ebenfalls Alarm geschlagen, schwerwiegende Menschenrechtsbedenken betont und Google wiederholt aufgefordert, das Projekt abzubrechen. Bisher war die Antwort unserer Führung unbefriedigend", so der offene Brief auf der Online-Publishing-Plattform 'medium.com': "Wenn die chinesische Regierung gemäss den chinesischen Gesetzen uneingeschränkten Zugang zu den Nutzerdaten hat, würde Google zur Unterdrückung und zum Verstoss gegen die Menschenrechte verpflichtet. 'Dragonfly' würde auch Zensur und staatliche Desinformation ermöglichen und grundlegende Wahrheiten destabilisieren, auf die sich populäre Überlegungen und Meinungsverschiedenheiten stützen."
 
Hunderte von Unterschriften, darunter von vielen Senior Software Engineers von Google, sind aufgelistet und es werden offenbar immer mehr. Sie schliessen sich mit dem Brief einer neu lancierten Kampagne der Menschenrechtsorganisation Amnesty International an, welche ebenfalls fordert, dass Google auf den potentiell lukrativen Markteintritt in China verzichtet.
 
Das Google-Management wiederholte auf Anfrage von US-Medien, was es schon zuvor mitgeteilt hatte: Man sei nicht kurz davor, eine massgeschneiderte Search-Engine auf den chinesischen Markt zu bringen.
 
Die Aussage wird von den Investigativ-Journalisten von 'The Intercept', welche das Geheimprojekt wohl mit Hilfe von Google-Whistleblowern aufdeckten, angezweifelt. Sie schrieben, initial geplantes Launchdatum für die zensierte China-Suche sei zwischen Januar und April 2019 gewesen.
 
Wenn sich die auf dem Arbeitsmarkt sehr gesuchten Google-Angestellten weltweit mit den in über 50 Jahren Kampagnenarbeit gestählten Menschenrechtlern von Amnesty verbünden, so kann das für die Google-Konzernspitze sehr ungemütlich werden. Die Frage ist nur: Wie ernst meinen es die Initianten? (mag)