Six baut API-Hub für "Open Banking", für einige ist das zu wenig

Fintechs kritisieren, dass die Swiss Corporate API zu beschränkt sei und noch viel Unsicherheit bestehe.
 
Six baut an einer Swiss Corporate API. Diese soll zu einem standardisierten, zentralen Hub für Programmier-Schnittstellen zwischen Banken und Drittanbietern werden, wie aus einer Präsentation von Daniel Dahinden, Head Business Unit Innovation & Digital bei Six, hervorgeht. Künftig sollen Drittanbieter mit den Kundendaten der Banken arbeiten können – man nennt das Open Banking. Als Vorteile der zentralen Plattform verspricht Six nicht nur Zertifizierung und die Garantie von Compliance, sondern auch die Bereitstellung von Testumgebungen und Support-Systemen.
 
Bereits im April 2018 wurde begonnen, an priorisierten Anwendungsfällen zu arbeiten, wie aus der Präsentation ersichtlich wird. Vorerst geht es dabei um den Zugriff auf Bankkontodaten sowie die Einlieferung von Zahlungsaufträgen über die Software von Drittanbietern. Bereits im kommenden Mai gehe ein Pilotprojekt an den Start, wie die 'Handelszeitung' nun berichtet. Dann sollen Bankkonten mit den wichtigsten Buchhaltungsprogrammen für KMUs verbunden werden.
 
Ab dem zweiten Quartal 2019 ist eine Phase geplant, in der weitere Anwendungsfälle implementiert werden sollen: Zugriff auf Buchhaltungsdaten, regelmässige Übertragung der Unternehmensbilanz sowie ein Service für Push-Nachrichten bei Datenänderungen.
 
Damit drängt sich Six zwischen Banken und Fintechs oder auch ERP-Hersteller. Dies sei besser als die aktuelle individuelle, nicht-skalierbare Integration, argumentiert Six. Die einzelnen Drittanbieter müssten nicht mehr eigene Schnittstellen mit den Banken bauen.
 
Kritik an der "Scheinöffnung"
Damit sind aber nicht alle einverstanden. Es handle sich um eine "Scheinöffnung", kein Fintech habe Anspruch auf Zugang, kommentiert die 'Handelszeitung'. Dies steht im Gegensatz zur zweiten Payment Services Directive (PSD2), die seit Januar in der EU Open Banking erzwingt. PSD2 verpflichtet Banken Drittanbietern Zugang zu Kundendaten zu gewähren. Hierzulande macht die Schweizer Bankiervereinigung dagegen Front, trotz offiziellem Bekenntnis zum Open Banking.
 
Der aktuelle Ansatz von Six beschränke sich auf sehr wenige Daten, erklärt Patrick Schär vom Fintech Selma Finance gegenüber der 'Handelszeitung'. Zudem sagt er: "Die Six hat heute eine Monopolstellung bei diesen Daten. Wir wollen, dass bei den Schnittstellen eine wahre Konkurrenz Einzug hält".
 
Ein "Schritt in die richtige Richtung"
Gian Reto à Porta, Gründer von Contovista und Vorstandspräsident von Swiss Finance Startups, sieht dies differenzierter: "Es ist ein Schritt in die richtige Richtung", hält er auf Anfrage von inside-it.ch fest. Das Problem seien aber die vielen Unsicherheiten. So sei nicht klar, wer die Zugangsbestimmungen festlege, also auch noch nicht, ob es eine Monopolstellung der Six geben wird. Auch ob der Hub künftig für Privatkunden freigegeben werde und wie das Pricing aussehe, sei noch offen. Das sind alles Punkte, die für das Business von Fintechs ausschlaggebend sein können.
 
Six könnte dazu klarere Ansagen machen. Das Grundproblem liegt aber bei den hiesigen Banken. Diese verweigern sich derzeit grossteils dem Open Banking. Würden sie sich nicht anpassen, würden sie an Konkurrenzfähigkeit einbüssen, so ein Six-Vertreter zur 'Handelszeitung'. Dies führt zu Druck und allenfalls zu schnellen Reaktionen. Eine plötzliche Öffnung der Schnittstelle sei aber existenzgefährdend, so der Six-Manager. (ts)