Ersetzt Zuger Blockchain-Lösung das Genfer E-Voting?

Stadt Zug hat E-Voting mit der Blockchain IT getestet.
 
Das Timing könnte besser nicht sein. Während Genf soeben mitgeteilt hat, sein selbstentwickeltes E-Voting aus finanziellen Gründen aufzugeben, zieht die Stadt Zug eine positive Bilanz seiner im Sommer durchgeführten E-Voting-Tests. Wie die Stadt mitteilt, konnte der Nachweis erbracht werden, dass ihr Blockchain-basiertes E-Voting unter realistischen Bedingungen funktioniert.
 
Bekanntlich hatten in der Stadt 72 von 220 Personen, die über eine Blockchain-basierte digitale ID der Stadt verfügen, an der elektronischen Abstimmung teilgenommen. Befragt wurden nun alle ID-Besitzer, wobei 95 von ihnen an einer Online-Befragung zum E-Voting teilnahmen.
 
Das Ergebnis: Mehr als drei Viertel der Befragten begrüssen die Einführung von E-Voting. 21 Prozent sind gar der Meinung, dass Blockchain-Technologie elektronische Abstimmungen sicherer machen kann als andere Verfahren. "Nur 2 Prozent möchte die Einführung von E-Voting verhindern", heisst es in der Mitteilung.
 
Noch viel Skepsis
Gleichwohl wird eingestanden, dass "trotz einer grundsätzlich grossen Zustimmung einige noch skeptisch sind, was die Sicherheit von E-Voting anbelangt". Zudem seien viele der Befragten der Meinung, dass neben der elektronischen Variante weiterhin auch die Wahl bestehen solle, brieflich abzustimmen.

Einigermassen technisch wird es dann im Abschlussbericht. Darin wird der Abstimmungsprozess beschrieben und unter anderem die drei kritischen Punkte (Sicherheit, Transparenz, Anonymität) im Detail diskutiert. In ihrem Fazit spricht die Stadt von den "herausragenden Vorteilen" des dezentralisierten Abstimmungsverfahren. Sowohl die Sicherheit als auch die Transparenz der Abstimmung sei erhöht worden, ohne dass die Anonymität der Wählenden gefährdet gewesen sei.
 
In einem kurzen Telefonat streicht Alexander Denzler, der als Partner der Hochschule Luzern am Projekt beteiligt ist, heraus, dass keine Hacks erfolgreich gewesen seien. Und das, obwohl man ausdrücklich dazu aufgerufen habe. Auch habe sich die User Experience bewährt. Das Problem der Einsehbarkeit von Daten in einer Blockchain hab man durch Verschlüsselung im Griff.

Als nächster Schritt sei Mitte Dezember geplant, das zweite vom ETH-Spinoff Chain Security durchgeführte Auditing vorzustellen. Dann werde man den Code offenlegen, also als Open-Source verfügbar machen. Damit bestehe dann die Möglichkeit, das Blockchain-basierte E-Voting weltweit einzusetzen.
 
Mit dem zweiten Partner des Projektes, dem Software-Entwickler Luxoft, bestehe die Möglichkeit, zum Beispiel länderspezifische Anpassungen vorzunehmen, sagt Denzler. Die Einführung selbst liege aber natürlich in den Händen der Politik.
 
Die Stadt Zug will jedenfalls auf dem Blockchain-Weg weitergehen. Zwar befinde sich die 2017 eingeführet Blockchain-basierte ID noch immer in der Testphase, heisst es. Doch soeben erst hat man mit dem Veloverleih Airbie ein Pilotprojekt lanciert, bei dem die digitale ID zum Registrieren des Benutzerkontos verwendet wird". Und als nächstes werde man die digitale ID als Bibliotheksausweis nutzen können.
 
Genf wird aussteigen
Die Veröffentlichung des Berichts aus Zug kommt Marketing-technisch zum idealen Zeitpunkt. Denn gerade diese Woche wurde bekannt, dass der Kanton Genf seine E-Voting-Lösung per 2020 einstellen wird. Die Kantone, die auf die Genfer Lösung gesetzt haben, stehen genauso im Regen wie die E-Voting-Befürworter. (vri)