Eigenarten der Startup-Szene Schweiz erstmals analysiert

Anhand der Daten von 3867 Firmengründungen in den Jahren von 1995 bis 2017 haben der 'Startupticker' und die Universität Lausanne erstmals den Startup-Standort Schweiz analysiert und mit anderen Ländern verglichen. In dem dazu vorgelegten "Startup Radar" (PDF) wird aufgezeigt, wie sich der Strom an Neugründungen markant erhöht hat. Sind für 1996 erst 45 Startups ausgewiesen worden, waren es 2006 bereits 132 und 2014 schon 264. Dabei weist die der Startup-Radar im internationalen Vergleich einige Schweizer Eigenarten auf. So besteht eine grosse Breite an Aktivitätsfeldern und die Firmenneugründungen verteilen sich über alle 26 Kantone.
 
Trotz der Themenvielfalt sind drei Bereiche von besonderer Bedeutung. Mit einem Anteil von 14 Prozent fokussieren die meisten Startups auf Software. Darunter sind Unternehmen subsumiert worden, bei denen es "im Kern um die Entwicklung von Individual- oder Standardsoftware mit einem B2B-Geschäftsmodell" geht. Mit zwölf Prozent folgen dann Neugründungen im Sektor Life Sciences und elf Prozent, die unter "Industrielle Produkte und Technologien" zusammengefasst wurden.
 
Dabei sei zu beachten, das Startups in der Schweiz meist anders definiert werden als Ausland. Die Studie nennt sechs Kriterien zur Charakterisierung eines solchen Jungunternehmens: Internationale Absatzmärkte, Fokus auf Innovation, ambitionierte Wachstumspläne, skalierbares Geschäftsmodell, wissenschafts- und technologiebasierter Ansatz sowie internationale Investoren.
 
Wenn hingegen im internationalen Kontext von Startups die Rede ist, geht es meist um IT-Unternehmen, häufig sogar nur um Internetfirmen, so die Studie. Die Eigenart der Schweiz ist, dass sie in diesen Bereichen eher weniger Unternehmen aufzuweisen hat als vergleichbare westeuropäische Länder.
 
Konkret weise die hiesige Startup-Szene in vier Aktivitätsfeldern, die zu diesem Umfeld gehören, jeweils den niedrigsten Anteil aller verglichenen Länder aus. Gemeint sind die Bereiche Software, E-Commerce, Mobile und Apps sowie Big Data und AI. Besonders in den Sektoren Mobile und Apps sowie Big Data und AI liegen die Anteile deutlich unter denjenigen der Vergleichsländer, heisst es dazu.
 
Die Ausnahmen
"Bemerkenswerte Ausnahmen von diesem vergleichsweise schwachen Software- und Internet-Bereich bilden Startups aus der Finanzindustrie und dem Crypto-Sektor sowie IT-Security-Firmen". Sowohl bei den Finanzdienstleistern und Fintechs als auch bei Blockchain- und Crypto-Neugründungen halte die Schweiz mit dem diesbezüglich grössten Land Grossbritannien mit und lasse Deutschland, Frankreich und Spanien hinter sich. In Sachen IT-Security liegt der Startup-Anteil sogar deutlich höher als in den Vergleichsländern, hält der Startup-Radar fest.
 
Im Gegensatz zu anderen Ländern wird – mit Hinweis auf die Bandbreite der Schweizer Startup-Gründungen – resümiert, dass die hiesige Startup-Landschaft durch Unternehmen geprägt wird, die in den traditionell innovativen Branchen tätig sind, insbesondere in der Medizintechnik, in der Metall-, Elektro- und Maschinen-Industrie und bei Finanzdienstleistungen: "Viele dieser Firmen dürften Nischenplayer mit B2B-Geschäftsmodellen sein, die komplexe Produkte von Robotik bis zur Bankensoftware entwickeln".
 
Charakteristisch für die Schweiz
Der Startup Radar weist neben dieser Themenvielfalt der hiesigen Firmenneugründungen auch deren breite räumliche Verteilung über die ganze Schweiz aus. Auch das sei im internationalen Vergleich untypisch, da in anderen Ländern oft Startups-Hubs gebildet worden sind.
 
Hierzulande kommen dagegen Startups aus allen 26 Kantonen. Natürlich würden Unterschiede bestehen, heisst es weiter. So verfüge der "Kanton Zürich mit gut 30 Prozent über den grössten Anteil der Startups, gefolgt vom Kanton Waadt mit 15 Prozent". Weiter heisst es, dass "deutlich mehr als fünf Prozent aller Startups in Genf und Bern gegründet" wurden sowie zwischen vier und fünf Prozent aller Neugründungen jeweils aus Zug, Basel-Stadt und Basel-Landschaft stammen.
 
Die Stärke von Zürich und der Waadt erkläre sich "durch die beiden ETH und Universitäten, die für einen stetigen Strom an Spin-offs sorgen". Hinzu kommen regionale Ökosysteme mit Unterstützungsangeboten und spezialisierten Dienstleistern, die auch Gründer von ausserhalb der Region oder sogar von ausserhalb der Schweiz anziehen, heisst es weiter. (vri)