Blockchain ein Flop in der konkreten Umsetzung?

Eine Untersuchung aus dem Feld der Ent­wicklungs­zusammenarbeit wirft auch Fragen für die kommerzielle Nutzung auf.
 
Fachleute aus dem Umfeld der internationalen Entwicklungs-Zusammenarbeit haben sich 43 Projekte auf Blockchain-Basis angeschaut und sie beurteilt. Ihr Befund scheint deutlich. Es gebe keinerlei Beweise für den Erfolg auch nur einer der Lösungen, schreibt John Burg, Mitglied der US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit (USAID).
 
Im Rahmen der von Burg und zwei Kollegen untersuchten Projekte sei viel versprochen worden: So etwa die Senkung der Betriebskosten oder die sichere Datenerfassung. Man habe bei der Untersuchung zwar eine Vielzahl an Pressemitteilungen, Whitepapers und überzeugend geschriebene Artikel gefunden, aber keinerlei Dokumentation oder Beweis, dass das Versprochene erreicht worden sei. Auch sei keine Niederschrift von "Lessons learned" oder Erfahrungen aufzufinden gewesen. Dies machte die Fachleute stutzig, so dass sie bei den Blockchain-Firmen nachfragten. Doch auch dies blieb laut Burg ohne Resultat: Keine einzige Firma sei bereit gewesen Daten über konkrete Ergebnisse der Projekte herauszugeben.
 
"Die Branche ist undurchsichtig"
Ein Beweis für die Untauglichkeit der Blockchain ist dies natürlich nicht. Aber Burg hält fest: "Trotz all des Hypes darüber, wie die Blockchain Transparenz in Prozesse und Abläufe in Umgebungen mit geringem Vertrauen bringen soll, ist die Branche selbst undurchsichtig". Die Vendors predigen demnach Wasser und trinken Wein. Dies sei für potentielle Anwender der Lösungen ein ernsthaftes Problem, denn es gibt offenbar keine verlässlichen Angaben darüber, ob und wie die Technologie tatsächlich Nutzen bringen kann oder welche Lektionen aus den Projekten gelernt wurden – zumindest im untersuchten Bereich.
 
Eine Radikalabsage an die Blockchain erteilen Burg und seine Kollegen auf Grundlage ihrer Erkenntnisse nicht. Denn als generellen Gegner der Blockchain kann man Burg beileibe nicht bezeichnen. Noch im April hatte er einen Beitrag zum grossen Potential und der Reichweite der Technologie geschrieben. Er legt nun aber potentiellen Anwendern von Blockchain-Lösungen ans Herz, vorgängig folgende Fragen zu stellen:
  • Was könnten die Interessengruppen eines Projekts durch den Einsatz von Blockchain in den Phasen des Designs und der Implementierung gewinnen? Und reichen die Vorteile für den Einsatz der Technologie?
  • Kann die Blockchain Vertrauens- oder Transparenzprobleme zwischen verschiedenen Interessengruppen lösen? Kann sie etwa Qualität und Echtheit der Daten sicherstellen?
  • Gibt es weniger teure, angemessenere oder einfacher zu implementierende Technologien, die die Anforderungen erfüllen?
  • Gibt es unadressierte Bedürfnisse, die die Blockchain befriedigen könnte? Oder könnten Blockchain-Lösungen neue und innovative Überlegungen befördern?
Die drei Fachleute wollen weitere Untersuchungen anstellen, schreibt Burg in einem Blogbeitrag. Welche konkreten Projekte untersucht wurden, geht aus dem Beitrag nicht hervor. (ts)