Startups sollen SAP-Applikationen intelligenter machen

Startups zeigen in Berlin, wie sie SAP ergänzen (Foto: SAP)
Die Ideen und Applikationen von Startups sollen SAP-Software ergänzen. Auch Schweizer. Ein Besuch in Berlin zeigt wie die SAP-Förderprogramme angelegt sind.
 
"Die enge Zusammenarbeit mit Startup-Unternehmen ist Teil unserer Innovationsstrategie", erklärt Deepak Krishnamurthy, der als Executive Vice President und Chief Strategy Officer bei SAP für die Förderung innovativer Gründer zuständig ist. "Wir sprechen die Startups in einer sehr frühen Phase an und helfen ihnen dabei, ihre Idee zu einem marktreifen Produkt zu entwickeln." Idealerweise sollen die Produkte der Startups SAP-Applikationen inhaltlich erweitern und den Anwendern zusätzlichen Nutzen bringen. "Schweizer Startups interessieren uns besonders aus den Bereichen Blockchain und Artificial Intelligence", wirbt Krishnamurthy.
 
Fünf eigene Startup-Center weltweit eröffnet
Die Ursprungsidee dieser Art gemeinsamer Entwicklung stammt aus Kalifornien. SAPs ehemaliger Technikchef Vishal Sikka hatte ab etwa 2012 auf diese Art mit der regen Startup-Szene in San Francisco Beziehungen aufgenommen. Fünf Startup-Center hat SAP seitdem weltweit eröffnet, und zwar in San Francisco, New York, Berlin, Paris und Tel Aviv.
 
Zur Förderung von Startups hat SAP drei Initiativen gestartet: SAP IoT Startup Accelerator zielt auf die Themen Digital Supply Chain, Produktionssteuerung, Industrie 4.0 und Digital Assets. SAP.iO fördert innovative Applikationen, die Geschäftsabläufe umkrempeln. SAP unterstützt die Gründer bei der Entwicklung und dem Verkauf ihrer Applikationen. Das SAP Innovation Center Network schliesslich fördert an elf weltweiten Standorten innovative Technologien, welche die digitale Transformation voranbringen.
 
"Unser Startup-Center in Berlin zielt auf Initiativen in Richtung Industrie 4.0, digitale Supply Chain, Machine Learning und künstliche Intelligenz", berichtet Alexandra Gorman, Senior Vice President SAP.iO Fund and Foundries. SAP hat mehr als 100 Mentoren abgestellt, welche die Startups bei der Entwicklung und Vermarktung ihrer Idee unterstützen. Im Rahmen der Veranstaltung Demo Day 2018 haben SAP.iO Foundry und Techstars Accelerator zehn Startups vorgestellt, die es in diesem Jahr in die engere Auswahl schafften, und die 13 Wochen lang zusammen mit SAP-Experten an ihrem Produkt und ihren Geschäftsmodell gearbeitet haben.
 
Robotic Process Automation im Browser
Axiom.ai ist eine in England entwickelte browser-basierte Plattform für Robotic Process Automation. Anwender können damit repetitive Tätigkeiten mit Hilfe von Machine Learning automatisieren und die so entwickelten Apps in einem Webshop weiterverkaufen. Segmentstream ist eine in Russland entwickelte Plattform, die Daten über Kunden, Produkte und Märkte bündelt und Marketing-Tools über eine gemeinsame Schnittstelle anspricht.
 
Weview ist eine in Deutschland entwickelte Plattform, über die Händler Videotests ihrer Produkte im Internet finden und in ihre Online-Shops integrieren. Kunden von Weview sind beispielsweise Otto, Media Markt, Cyberport und Amazon.
 
Konolabs heisst eine Bot-Plattform aus San Francisco, die mit künstlicher Intelligenz die Terminplaner ihrer Kunden untersucht, um auch bei vollen Kalendern Zeit für gemeinsame Meetings oder Online-Konferenzen zu finden.
 
Voyc.ai ist eine Web-Plattform aus Südafrika, die Unterhaltungen in natürlicher Sprache digitalisiert und
Startup "serviert" veganes Essen mit SAP (Foto: Jürgen Frisch)
analysiert, um relevante Themen zu finden und aufzudecken, wie die Kunden darüber denken.
 
Ein neuronales Netz findet Video-Tests
Softcube ist ein in der Ukraine entwickeltes neuronales Netz, das Videotests auf Youtube über ein Produkt findet und diese mit dem Produktkatalog eines Online-Shops verknüpft. Ein Algorithmus prognostiziert, welche Produktclips die höchsten Verkäufe nach sich ziehen. Clarisights ist eine Web-basierte Entscheidungsplattform aus San Francisco, die für Marketeers die Kennzahlen aus allen Bereichen bündelt. Verantwortliche legen damit eigene Dashboards an, um ihr Werbebudget bestmöglich einzusetzen.
 
BeeInstant ist eine Application Monitoring Plattform für Grossunternehmen, die den Betrieb von IT-Landschaften mit Machine Learning und künstlicher Intelligenz optimiert. Nach Aussage des Unternehmens sinken die Betriebskosten dadurch um bis zu 50 Prozent. Recotap ist eine in Indien entwickelte Plattform für Account Based Marketing die auf Basis künstlicher Intelligenz strukturierten und unstrukturierten Content analysiert, um mit personalisierten Bild-, Text und Videoanzeigen die Verkäufe in Webshops hochzutreiben. Einige Kunden haben damit nach Aussage des Unternehmens ihre Umsätze verdoppelt.
 
Supply Chain Monitoring kommt aus der Schweiz
SAPs Techstars Initiative hat bislang weltweit über 1500 Startups begleitet. Laut SAP sind aktuell 86 Prozent der geförderten Unternehmen weiterhin im Markt aktiv oder wurden von anderen Unternehmen übernommen.
 
Ein Beispiel eines erfolgreichen Startups aus der Schweiz ist modum.io. Das Unternehmen stellt über Sensoren in Paketen und über Tracking-Software sicher, dass empfindliche pharmazeutische Produkte während des Transports wie vom Hersteller vorgeschrieben gekühlt werden. Mit Unterstützung des SAP Innovation Center Network hat modum.io seine Sensordaten mit dem cloud-basierten Blockchain-Service von SAP Leonardo integriert. Die Daten der Sensoren in einem Paket werden über Nearfield Communication oder Bluetooth mit einer App auf einem Mobilgerät synchronisiert, in die Blockchain-Anwendung hochgeladen und dort ausgewertet. Nach der Auslieferung des Pakets stehen die Blockchain-Daten für den Hersteller, den Kunden und den Versanddienstleister zur Verfügung.
 
Veganes Essen für innovative Denker
Um Startups dieser Kategorie anzuziehen, hat SAP in Berlin wenige hundert Meter entfernt von ihrer dortigen Filiale das Gründerzentrum "The Data Space" errichtet. Es soll eine Anlaufstelle sein für Startups, Innovatoren, Geschäftspartner und Künstler.
 
Das Zentrum besteht aus mehreren Bereichen. Im "Data Hub" befindet sich der SAP IoT Startup Accelerator, der Gründern Zugang zum SAP-Ökosystem verschafft. Und "Data Room" heisst ein Kreativ-Raum mit interaktiven Oberflächen. Innovation soll hier mit künstlerischen und digitalen Mitteln entstehen. Die "Data Hall" ist ein Veranstaltungsraum für Präsentationen und Diskussionen.
 
"Data Kitchen" ist ein Restaurant, das SAPs coolen Innovationsgeist deutlich machen soll. Die veganen Rezepte – von Gault Millau prämiert – kommen aus aller Welt, die Zutaten direkt aus der Nachbarschaft. Die Abläufe im Restaurant sind digitalisiert: die Gäste bestellen auf dem Smartphone und bezahlen per Paypal. Sind die Speisen zubereitet, erscheint auf dem Smartphone eine SMS mit einem Code. Mit diesem öffnet der Gast eine Klappe in einer scheinbar verglasten Wand. Tatsächlich verfügt die Klappe über einen durchsichtigen Flachbildschirm, der den Namen des Gastes anzeigt.
 
"Arm aber sexy" hat der ehemalige Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit als städtisches Motto formuliert. SAP hilft bei der erstgenannten Berliner Eigenart aus, um von der zweiten zu profitieren. (Jürgen Frisch)