Gibt Google die China-Suche endgültig auf?

Es wird immer ungewisser, ob Google tatsächlich noch eine zensierte Suchmaschine für China aufgleisen wird. Nicht nur hat Google-CEO Sundar Pichai unter Bezugnahme auf das umstrittene Suchprojekt "Dragonfly" letzte Woche im US-Kongress beteuert, es gebe aktuell keine Pläne zum Wiedereintritt in den chinesischen Markt.
 
Jetzt will auch 'The Intercept' aus internen Quellen erfahren haben, dass es inzwischen nicht mehr möglich ist, auf die zentrale Informationsquelle für den Aufbau von Dragonfly zuzugreifen. Das Projekt sei damit "praktisch tot", heisst es in dem Bericht.
 
Die Pläne zu Dragonfly wurden Mitte August von der News-Plattform öffentlich gemacht und lösten auch unter den Google-Angestellten Proteste aus. Nicht nur lief die Entwicklung unter strenger Geheimhaltung, sondern dabei wurde auch der Datenschutz von Google umgangen.
 
'The Intercept' berichtet jetzt, dass einige Gruppen von Ingenieuren vollständig aus dem Projekt abgezogen worden seien. Weiteren Teams wurde erklärt, dass sie keine Suchanfragen mehr auf dem chinesischen Festland starten dürfen, sondern nur noch global verfügbare chinesische Datenbestände nutzen dürfen. Da diese Daten sich aber qualitativ von der Suche aus China heraus unterscheiden, seien sie für Dragonfly praktisch nicht brauchbar, um Resultate zu erreichen, die der chinesischen Zensur standhalten.
 
Welche Folgen das haben wird ist unklar. 'Der Standard' glaubt jedenfalls nicht, dass Google jetzt endgültig seine China-Pläne einstampft. Nicht nur sei der Markt extrem attraktiv, sondern längst hätten sich auch andere westliche Unternehmen der staatlichen Zensur Chinas gebeugt, um im Geschäft zu bleiben. (vri)