Leider Nein (die Folge mit dem Schmerzensgeld)

Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Geht doch! Nur noch dreimal schlafen und das Jahr, in dem wir 2'132 Artikel geschrieben und 213 Pressekonferenzen, Roundtables, Breakfeasts, Press- (einige), Networking- (die schlimmsten) und Gala- (wenige) Dinners, Hintergrundgespräche, Panels, One-to-Ones, Lunches, Opening Parties und Award-Verleihungen besucht haben, ist hinter uns. Nicht zu vergessen die 49 Redaktionsbesuche von diversen Vice und sonstigen Presidents, MDs, Country Managers, Directors oder DoTs (Dampfplauderi ohne Titel). Was mich umtreibt: Warum gibt es eigentlich keine Vordergrundgespräche? Und warum wurden neun der 2'132 geschriebenen Artikel nie veröffentlicht, sondern dümpeln friedlich und ungelesen in unserer Datenbank?

Ob es schlimm war? Nicht alles! Es gab das eine oder andere Gala-Dinner mit schöner Aussicht aufs Mittelmeer und der eine oder andere Vice oder Managing war nett oder intelligent oder lustig – aber die Awards! Ab 1. Januar 2019 werden wir für den Besuch von (und die Berichterstattung über) Award-Verleihungen Schmerzensgeld verlangen. Der Grundtarif ist umgekehrt proportional zur Qualität der servierten Weine (Chefredaktor) oder Biere (Kolumnist) und wird pro verliehenem Award berechnet. Wir behalten uns vor, das Geschäftsmodell Schmerzensgeld 2020 auf weitere Event-Kategorien auszudehnen.

Exklusiv! Das sind die totgeschwiegenen News 2018
Als gewiefte Opfer der Lügenpresse wissen Sie natürlich, dass nicht wichtig ist, worüber wir geschrieben haben, sondern Sie möchten wissen, was wir verschwiegen haben. Ein heikles Thema! Man muss sich schon fragen, warum "Thoughtonomy Named a Leader in Robotic Process Automation Platforms in New Ovum Decision Matrix" auf Inside-it.ch genauso wenig Platz gefunden hat wie "Werbetreibende schnüffeln auch bei Emojis".

Erstaunlich wenig berichteten wir auch von der Diät-Front. Wer eine Verschwörung vermutet, liegt falsch, denn ein relevanter Teil unserer Redaktion führt selbst einen Krieg an ebendieser Front und ist wohl deshalb wenig motiviert, Storys wie "T-Systems verschlankt Geschäftsführung" und schon gar nicht "E-Mails mit gefährlichen Anhängen haben um mehr als 25 Prozent zugenommen" zu recherchieren.

Ausserdem verstecken sich in unserer Redaktion militante Pazifisten. Weshalb sonst hätte sie die wirklich wichtige Meldung "Earth Defense Force 5 jetzt mit bewaffneten Killerfröschen auf der PlayStation 4" ignorieren können? Nicht nur Pazifisten gibt es hingegen an der ETH. Die Superhochschule publizierte "Neue faltbare Drohne fliegt durch enge Löcher zu Einsturzopfern" und dachte wohl, niemand würde merken, dass man mit solchen faltbaren Dröhnchen auch ein Bömbchen in ein Bünkerchen tragen könnte. Dieselbe Hochschule stellte aber auch die wirklich wichtige Frage, die sich unsere Redaktion, die zu immerhin 16 Prozent aus gelernten Zoologen besteht, schon lange stellt: "Braucht es noch Feldbiologen?". Schlaue ETH. (Christoph Hugenschmidt)