Bundesrat will Stammdaten nur noch einmal erfassen

Es scheint, dass der Bundesrat mit der "Strategie für den Ausbau einer gemeinsamen Stammdatenverwaltung des Bundes" ein neues IT-Grossprojekt angestossen hat. Da man kaum über zusätzliche Ressourcen verfügt, sollen insbesondere Synergien aus laufenden Projekten genutzt werden, um das "Once-only-Prinzip" bei der Stammdatenerfassung zu realisieren.
 
Darüber hinaus begründet der Bundesrat in dem soeben vorgelegten Papier (PDF) die nun initiierte Erarbeitung der diesbezüglichen Strategie mit der Bedeutung der digitalen Transformation bei den Behörden.
 
Es handle sich um ein "Vorhaben mit langfristigem Zeithorizont", heisst es denn auch. Adressiert werden für die kommenden zwei Jahre erste Vorhaben in den drei Handlungsfeldern Organisation, Recht und IKT. Generell geht es "prioritär" darum, die administrative Last von Unternehmen, Privaten und der Verwaltung zu reduzieren.
 
Neben der langen Dauer wird betont, zur Umsetzung werde kein eigenes Programm gestartet. Denn "die Bundesverwaltung ist mit umfangreichen Projekten und Programmen mehr als ausgelastet". Nicht zuletzt "aufgrund der generell angespannten Ressourcen-Situation" sei die umfassende Initialisierung eines eigenen zusätzlichen Programms "nicht zielführend". Ausserdem bestünde die Gefahr der Überschneidung mit laufenden Programmen und Projekten.
 
Gefordert wird vielmehr mit Verweis auf bereits gestartete Projekte wie unter anderem Superb23, DaziT oder auch die Open-Data Initiative, dass deren Resultate in Sachen Vereinheitlichung der Stammdaten "zu nutzen und aufeinander abzustimmen" seien.
 
Gestartet werden soll mit einem Fokus auf die Unternehmensstammdaten, da hier "für mehrere Organisationseinheiten dringlicher Handlungsbedarf besteht". Dieser Teilbereich, heisst es weiter, berge grosses Effizienzsteigerungspotential für verschiedene Verwaltungseinheiten und schaffe "sowohl bundesverwaltungsintern als auch -extern bei Partnern einen nachweislichen Mehrwert".
 
Zu den konkreten Massnahmen gehört, dass nun das dem Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) unterstellte Informatiksteuerungsorgan des Bundes (ISB) ein Gremium aufbaut, das "als interdepartementale Plattform zur Steuerung von Massnahmen zum Ausbau der gemeinsamen Stammdatenverwaltung" fungiert. Ausserdem sollen dort bis Ende 2019 die für die gemeinsame Stammdatenverwaltung nötigen Rechtsgrundlagen geklärt werden.
 
In Sachen IKT beruft man sich vorab auf das zuletzt immer wieder kritisierte Mammut-SAP-Projekt Superb23. Das soll "die Umsetzung und Einführung einer gemeinsamen Stammdatenlösung für die Support-Prozesse Finanzen, Logistik, Personal und Immobilien" ermöglichen. Hier soll unter anderem geprüft werden, inwieweit sich das künftige ERP für "eine gemeinsame bundesweite Stammdatenverwaltung im Bereich Unternehmen" eignet respektive ins bestehende Umfeld eingebunden werden kann.
 
Der Bundesrat erwartet bis Ende 2021 erste Ergebnisse der nun ausgelösten Arbeiten. Dann sollen auch die Ausbauschritte für die Zeit von 2022 bis 2024 beantragt werden. (vri)