China soll 12 Jahre Daten aus dem Westen geklaut haben

Die USA schuldigt an, China dementiert vehement: Zum Jahresende geht ein Spionage-Thriller, in dem auch die Schweiz eine Rolle spielt, in die heisse Phase.
 
China hat nach Überzeugung der US-Regierung bei grossangelegten Hackerangriffen auf die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in aller Welt massenhaft geheime Daten gestohlen. Das sagte der stellvertretende US-Justizminister Rod Rosenstein in Washington. Vor zwei Tagen hatten US-Medien bereits berichtet, dass die USA eine Grossaktion gegen chinesische Hacker plane.
 
Hunderte Gigabyte heikler Daten seien gestohlen worden, hiess es von Seiten der USA. Behörden und Unternehmen aus mindestens zwölf Länder seien betroffen. Auch die Schweiz ist laut dem US-Justizministerium unter den geschädigten Staaten.
 
Angriffswelle über rund zwölf Jahre
Den Angaben zufolge gelang es Hackern im Auftrag Pekings beispielsweise, sich Zugang zu mindestens 45 US-Behörden zu verschaffen. Die Angriffe seien über Jahre erfolgt, vermutlich im Zeitraum zwischen 2006 und 2018.
 
Um nicht entdeckt zu werden, hätten die Hacker Schadprogramme installiert, die wie legale Software ausgesehen hätten. So seien sie dann etwa auch zu Zugangsdaten gekommen. Mit diesen hätten sie sich – scheinbar legal – weiter getastet, seien durch die Computer-Infrastruktur ganzer Unternehmen spaziert und hätten sich so wieder Zugang zu weiteren Firmen verschaffen können, schildert der US-Justizminister das Vorgehen.
 
Mehrere mit den Vorgängen befasste Personen haben der Nachrichtenagentur 'Reuters' gesagt, die Gruppe sei wiederholt in Computersysteme von HPE und IBM eingedrungen. Von dort aus hätten sie sich Zugang zu Kunden-Systemen verschafft.
 
Von den Attacken betroffen seien Firmen aus zahlreichen Branchen, darunter Autozulieferer, Hersteller von Laborinstrumenten, der Banken- und Finanzsektor sowie Firmen aus den Bereichen Telekommunikation, Informationstechnologie, Medizinausrüstung, Biotechnologie, Pharma, Bergbau, Öl- und Gasförderung, Luftfahrt und Weltraumforschung.
 
Angeklagte Chinesen sind Teil von APT10
Das US-Justizministerium hat nun Anklage gegen zwei Chinesen erhoben: Zhu Hua und Zhang Shilong. Beide seien unter Decknamen wie "Godkiller", "Stone Panda" oder "Red Apollo" im Netz unterwegs gewesen.
 
Sie sind mutmasslich Mitglieder einer ganzen Gruppe von Hackern, die in der Szene als APT10 bekannt ist. Sie seien für eine Firma tätig gewesen, die mit dem chinesischen Ministerium für Staatssicherheit zusammenarbeitet.
 
Das Vorgehen sei "nichts anderes als Betrug und Diebstahl und es gibt China einen unfairen Vorteil zu Lasten gesetzestreuer Unternehmen und von Ländern, die sich internationalen Regeln unterwerfen, im Gegenzug dafür, am internationalen Handelssystem teilnehmen zu dürfen", so Rosenstein.
 
US-Unternehmen hätten Jahre darauf verwendet, Forschungsergebnisse zu erzielen, während China diese einfach gestohlen habe, erklärte der US-Justizminister weiter.
 
China: Beschuldigungen seien "aus der Luft gegriffen"
China hat die Anschuldigungen zurückgewiesen. Solche Vorwürfe seien verleumderisch, erklärte das Aussenministerium in Peking. Die Vorwürfe der US-Behörden seien völlig "aus der Luft gegriffen" und eine "vorsätzliche Diffamierung", hiess es weiter vom chinesischen Aussenministerium.
 
Das Vorgehen sei eine "schwerwiegende Belastung" für die gegenseitigen Beziehungen, wurde die Sprecherin des Ministeriums, Hua Chunying, zitiert. China habe offiziell Protest eingelegt. Washington müsse sein "Fehlverhalten umgehend korrigieren".
 
Die USA müssten auch ihre Anklage gegen zwei angebliche Hacker aus China zurücknehmen. Die Volksrepublik werde alle notwendigen Schritte einleiten, um ihre Interessen zu wahren. Auch dürfe nicht vergessen werden, dass es seit langem ein offenes Geheimnis sei, dass US-Regierungsbehörden ausländische Regierungen, Unternehmen und Privatpersonen ausspähen würden. (sda/ts)