Smart Grid hält Einzug bei der SBB

Mit einer Software für das Strommanagement auf der Basis von SAP HANA Streaming Analytics wird die SBB künftig gezielt und automatisch den Bahnstrombezug in den Spitzenzeiten reduzieren. Die SBB spricht von einer Smart-Grid-Lösung, also der intelligenten Steuerung von Verbrauchern im Zusammenspiel mit der Stromerzeugung und -speicherung. Damit geht eines der diversen Digitalisierungsprojekten der SBB nun zunächst bei Zug- und Weichenheizungen in den regulären Betrieb.

Laut einer Mitteilung ist die Grundversion dieser Laststeuerung im letzten Winter auf Herz und Nieren geprüft und im vergangenen Jahr für den produktiven Betrieb vorbereitet worden. Die Grundfunktionen der Software haben einwandfrei funktioniert, heisst es nun, weshalb man in diesem Januar ersten Weichen- und Wagenheizungen darüber steuere. Bereits Ende April 2018 war das Projekt mit dem globalen SAP-Preis für digitale Transformation ausgezeichnet worden.
 
Konkret gehe es darum, die Bahnstrom-Verfügbarkeit zu stärken und Kosten für die Energieproduktion zu senken. Wenn sich also Lastspitze im SBB-Stromnetz abzeichnen, werden Zug- und Weichenheizungen für bis maximal etwa 40 Sekunden automatisch ausgeschaltet. Der Energiebedarf der Heizungen wird so zeitlich verschoben – die Lastspitze also geglättet. Und das ganz ohne Auswirkung auf das Temperaturempfinden der Reisenden, wie die SBB schreiben.
 
Voraussetzung für die Stromverbrauchoptimierung via Software ist, dass die SBB sowohl Energie in eigenen Kraftwerken produziert, wie auch die Energie selbst verbraucht. Beides, Produktion und Verbrauch, kann die SBB also im eigenen Einflussbereich gezielt optimieren. "Statt in zusätzliche und teure Stromproduktionsanlagen zu investieren, setzt die SBB auch auf Verbraucherseite an", heisst es denn auch zur Charakterisierung dieses smarten Strommanagements.

Adressiert wird mit dieser Lösung der gemäss Taktfahrplan schlagartig zunehmende Leistungsbedarf im Bahnstromnetz nach den vollen und halben Stunden. Ausserdem würden an kalten Tagen Zug- und Weichenheizungen für zusätzlichen Leistungsbedarf sorgen. Zudem geht die Bahn von einem wachsenden Verkehrsaufkommen und immer leistungsfähigeren Zügen aus, was den maximalen Leistungsbedarf ebenfalls weiter erhöhe.
 
Die Software soll helfen, die sich langfristig abzeichnenden Leistungsgrenzen der eigenen Stromproduktion und der Frequenzumformer bei zugekauftem Strom, der auf die Bahnstromfrequenz von 16,7 HZ umgewandelt werden muss, zu brechen. Vorgesehen ist denn auch zunächst bis 2023 alle Wagen der SBB und sukzessive die Weichen an die Laststeuerung anzubinden.
 
In dieser ersten Etappe des Software-basierten Lastmanagements will die SBB die maximalen Lastspitzen um 70 Megawatt senken können. Das entspreche ungefähr der Einsparung des durchschnittlichen Leistungsbedarf von 150'000 Haushalten. Gleichzeitig soll in den nächsten Jahren im Rahmen des Programms "smartrail 4.0" der Schweizer Bahnbranche geprüft werden, ob auch die elektrischen Motoren der Lokomotiven und Triebfahrzeuge in ähnlicher Weise beeinflusst werden können. (vri)