Raiffeisen: Die letzte Migrationsetappe und neue Diskussionen

Ende Jahr sollten alle Raiffeisenbanken auf das neue Kernbankensystem migriert sein. Und stimmt es, dass die Bank und Avaloq über Arizon diskutieren?
 
Es ist vollbracht: Alle Raiffeisen-Banken haben ein neues Kernbankensystem, das von Arizon, dem Raiffeisen-Avaloq-Joint-Venture, auf Basis von Avaloq entwickelt wurde. Dies bestätigt Raiffeisen-Sprecherin Angela Rupp.
 
Die letzte Etappe des Projekts "Rainbow" umfasste noch 52 relativ grosse Banken, die client-seitig auf die neue Lösung ACS migriert wurden.
 
Zudem wurde laut einem Insider die erste Jahresendverarbeitung gemacht, und die "Zentral-Bank" in St. Gallen ging "Market-seitig" (Handel) mit einem neuen Avaloq-System live. Laut Raiffeisen verlief diese komplexe, grosse Etappe reibungslos und dies bestätigt auch der Insider: "Es war ein Live-Gang ohne ernsthafte Probleme".
 
Initial war der Abschluss Anfangs 2018 terminiert worden und musste dann verschoben werden. Der neue Termin Ende 2018 konnte dann eingehalten werden.
 
Auch die initialen Kosten von 500 Millionen Franken konnten nicht eingehalten werden. Zehn bis 15 Prozent Mehrkosten hatte Raiffeisen vor einigen Monaten gegenüber inside-it.ch bestätigt.
 
Um wieviel exakt das Budget überzogen wurde, ist noch unbekannt. Sicher musste 2018 mehr in die Schulung investiert werden als gedacht. Angesichts der vielen User und der Menge Banken dürften die Schulungskosten erklecklich sein.
 
Immerhin machte ein erster Blick auf das GUI vor längerem bereits einen guten Eindruck und auch die finale Version, so der Insider, der seinen Namen nicht genannt haben will, sehe wesentlich besser aus als das Standard-GUI von Avaloq.
 
Unter anderem via 'Inside-Paradeplatz' wurde gemunkelt, dass Avaloq und Raiffeisen noch verhandeln, wie es mit dem Joint-Venture Arizon nun weitergehen soll und wie man bei der Weiterentwicklung kooperieren wird. Dies überrascht einigermassen, hiess es doch unter der Ägide von Pierin Vincenz und Patrik Gisel, die Bank verkaufe per 1. Januar 2019 ihren Arizon-Anteil von 51 Prozent an Avaloq.
 
"Finale Phase der Abstimmung"
Die Raiffeisen-Sprecherin bestätigt den möglichen Strategiewechsel: "Nach Abschluss der Migration aller Raiffeisenbanken zum Jahreswechsel sind Avaloq und Raiffeisen Schweiz zur Zeit in der finalen Phase der Abstimmung der zukünftigen Zusammenarbeit."
 
Vermutlich sind alle Optionen auf dem Tisch – von weiter wie bislang – bis zum Verkauf. Über den Sinn des Joint-Ventures kann man diskutieren: In einem normalen Auftraggeber-Kundenverhältnis wären die Debatten bei Konflikten und über Kosten womöglich einfacher und mit Juristenhilfe zu führen gewesen. Andererseits dürfte Avaloq in einem Joint-Venture mehr in der Verantwortung stehen.
 
Zu den Traktanden und den Gründen will sich Raiffeisen noch nicht äussern. "Die Parteien haben vereinbart, dass anschliessend eine gemeinsame Kommunikation zum Projekt Rainbow und zur zukünftigen Zusammenarbeit erfolgt. Wir wollen uns an diese Vereinbarung halten und bitten um Verständnis", so Rupp zu inside-it.ch.
 
Bis Ende Januar könnte Klarheit herrschen, sagt der "Rainbow"-Experte. Er geht nicht davon aus, dass Raiffeisen alles verkauft. In der Tat könnte die neue Führungsriege von Raiffeisen neue Ideen verfolgen. (Marcel Gamma)