Spezifische Fintech-Lizenzen bereiten US-Notenbank Sorgen

Trotz des rasanten Aufstiegs von Fintech-Firmen schreckt die US-Notenbank Federal Reserve davor zurück, den Unternehmen eine Lizenz zu erteilen, die ihnen wie Banken den direkten Zugriff auf die Systeme der Notenbank erlauben würde. Bei den schwach-regulierten, jungen Technologieunternehmen, die zum Beispiel im Zahlungsverkehr oder der Kreditvergabe aktiv sind, liessen der Verbraucherschutz und das Risikomanagement zu wünschen übrig, lautet die Kritik vieler Fed-Vertreter.
 
Mit ihren Bedenken stellt sich die Notenbank gegen die US-Bankenaufsicht OCC und die Einlagensicherung FDIC, die der Branche offener gegenüberstehen und eine neue Fintech-Lizenz prüfen. – In der Schweiz sind zum 1. Januar 2019 vom Bundesrat Bestimmungen für die neue "Fintech-Lizenz" in Kraft gesetzt worden.
 
In den USA treibt das fehlende Risikobewusstsein der Branche beispielsweise dem Präsidenten der Fed von Atlanta, Raphael Bostic, Sorgenfalten auf die Stirn. Atlanta will zwar zum Fintech-Hub werden, doch bei den Fintechs hätte kaum jemand Risiken als ein wichtiges Thema im Blick: "Und das macht mich nervös", sagte er kürzlich.
 
Die US-Bankenaufsicht OCC schlug im Juli eine spezielle Lizenz für Fintechs vor, mit denen sie im ganzen Land Geschäfte machen können, sofern sie Kapital- und Liquiditätsanforderungen erfüllen und Notfallpläne vorweisen.
 
Für einige Fintechs ist die neue OCC-Lizenz aber nur attraktiv, wenn sie dadurch direkten Zugang zum Zahlungssystem der Fed erhalten. Dadurch könnten sie bestimmte Bankgebühren vermeiden – die einen der grössten Kostenblöcke für die jungen Unternehmen bilden. Die von der OCC vorgeschlagene Lizenz erlaubt es aber nicht, dass Fintechs Einlagen einsammeln, die von der staatlichen Einlagensicherung FDIC garantiert werden - bislang eine Grundvoraussetzung für den Zugang zum Fed-Zahlungssystem.
 
Kritiker wehren sich gegen eine Aufweichung der Bedingungen – nicht zuletzt die Banken, denen die neue Konkurrenz ein Dorn im Auge ist. Auch einige Vertreter der Notenbank befürchten, dass der direkte Zugang zum Zahlungssystem bei einem Zusammenbruch eines Fintechs, einem grösseren IT-Problem oder einer Cyberattacke das gesamte System in Mitleidenschaft ziehen könnte.
 
Fintech-Firmen entgegnen, sie erfüllten bereits zahlreiche Anforderungen der Bundesstaaten. Das rasante Wachstum sei nicht auf eine laxe Regulierung sondern auf hohe Nachfrage nach ihren Finanzdienstleistungen zurückzuführen. Nur wenn sie auch Zugang zum Zahlungssystem der Fed erhielten, sei eine nationale Expansion mit Hilfe der OCC-Lizenz attraktiv.
 
"Man kann schwer beurteilen, ob sich die Beantragung der Lizenz lohnt, wenn man nicht weiss, welchen Zugang man zu den Fed-System erhält", sagte Jason Oxman von der Electronic Transactions Association, die Fintechs und Banken vertritt. "Es wäre hilfreich, wenn die Fed Klarheit schafft." (vri/sda)