Standort Zürich: Wenige Fintech-Patente, aber…

Firmen mit der höchsten Anzahl aktiver Fintech­-Patente im Kanton Zürich. Grafik: AWA
Eine aktuelle Studie sieht den Finanzplatz Zürich im digitalen Hintertreffen, beschwichtigt aber mit Verweis auf das Heer an hiesigen Fintechs.
 
Kann der Zürcher Finanzsektor im durch die Digitalisierung befeuerten Strukturwandel mit den Mitbewerbern mithalten? Um diese Frage zu beantworten hat das Zürcher Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) eine Analyse der registrierten Fintech-Patente durchgeführt. Dabei sei im Rahmen einer Studie zum Finanzplatz Zürich nicht einfach die Anzahl der Patente bewertet worden, sondern auch deren technologische Stärke, teilt das Amt mit.
 
Die grösste Anzahl von Patenten sind laut Studie im Bereich Payment Architecture angemeldet. Die deutliche Dominanz gelte nicht nur für den Kanton Zürich, sondern in allen internationalen Vergleichsregionen, schreibt das AWA. Zum Bereich zählen Lösungen für den Zahlungsverkehr wie Online­ und mobile Zahlungssysteme, digitale Wallets, Security­Lösungen aber auch einige Blockchain-Anwendungen. Die Bereiche Wealth Management sowie Regtech spielten eine untergeordnete Rolle.
 
Führend im Bereich Payment Architecture sind im Kanton Zürich IBM und Google-Besitzer Alphabet sowie das Unternehmen Dormakaba, das vor allem für seine Schliesstechnik bekannt ist. Sie halten zusammen deutlich mehr als die Hälfte der 51 in Zürich entwickelten Patente für die Payment-Architektur und 77 der insgesamt 94 Patente im Fintech-Bereich.
 
Global halten wenig überraschend Giganten wie Paypal (250), Sony (209), Alphabet (186), Samsung (178) und Alibaba (164) am meisten Fintech-Patente. Geschlagen werden sie aber noch um Längen von den beiden Zahlungskarten-Konzerne Visa (698) und Mastercard (637). International stehen aus Schweizer Sicht Kudelski und Swisscom mit 44 und 41 Patenten am besten da.
 
Schweizer Grossbanken abgeschlagen
Die etablierten Unternehmen des Finanzplatzes Zürich könnten nicht mithalten, so der Befund des AWA. So halten die beiden hiesigen Grossbanken UBS (23) und CS (7) nur wenige Patente und liessen diese mehrheitlich in den USA entwickeln. Gemessen an den Patenten gehören sie nicht mal zu den 100 forschungsstärksten Unternehmen im Fintech-Bereich. Sollten die patentstarken Techfirmen vermehrt auf eigene Dienstleistungen im Finanzbereich setzen, dürfte dies zur deutlichen Steigerung der Wettbewerbsintensität führen.
 
Im Bereich Insurtech
Internationale Unternehmen mit Fintech-Patenten weltweit. Grafik: AWA
sticht Zürich hervor. Dies geht auf das grosse Portfolio und die Forschungstätigkeit von Swiss Re am Standort zurück. Der Rückversicherer hält mit 39 Patenten mehr als doppelt so viele wie IBM Schweiz, das zweitplatzierte Unternehmen in Zürich, das mit seinem Forschungsstandort in Rüschlikon 15 Patente hier entwickelt hat.
 
"Aber die Fintechs", beschwichtigt das AWA
Auch nach Regionen gegliedert steht Zürich nicht besonders gut da: Während 2017 im Hotspot San Francisco 2385 Fintech-Patente angemeldet waren, bestand das Zürcher Portfolio lediglich aus 94 Patenten – und belegte den zweitletzten Rang bei den Top-Patenten. Pro Kopf konnte sich die Limmat-Stadt aber auf dem dritten Platz positionieren und es ist anzumerken, dass die Bestimmung zur Patentanmeldung in den USA wesentlich lockerer sind als in Europa.
 
Und das Zürcher Amt beschwichtigt: Nicht alle Fintech-Innovationgen gingen mit einem Patent einher. So verfügten Startups häufig nicht über solche und in der Schweiz gebe es schliesslich etwa 220 Jungunternehmen im Fintech-Bereich – über die Hälfte von ihnen in Zürich und Zug. Diese würden auch ohne Patentbewaffnung zur Innovation im Finanzsektor beitragen und böten den etablierten Instituten Möglichkeiten der Kooperation.
 
So schliesst das AWA doch versöhnlich. Zwar dräut Gefahr durch die grossen Techkonzerne am Horizont, doch die hiesigen Fintechs seien neben Bedrohung auch eine Chance. Etablierte Finanzinstitute sollten eigene Fintech­Innovationen entwickeln, Kooperationen mit aussichtsreichen Startups eingehen oder externes Know­how durch Beteiligungen an aufstrebenden Unternehmen oder Übernahmen akquirieren, empfiehlt das AWA. (ts)