Diskriminierung: US-Arbeitsministerium schiesst scharf gegen Oracle (Update)

Das US-Arbeitsministerium (Department of Labor, DoL) hat eine Klage gegen Oracle eingereicht, wie 'The Guardian' berichtet. Und darin fährt es scharfes Geschütz gegen den Softwareriesen auf: Dieser diskriminiere in grossem Ausmass Frauen, Latinos und Afro-Amerikaner, sowohl mit seinen Anstellungspraktiken als auch bei den Löhnen.
 
Unter rund 500 Personen, die Oracle in vier Jahren in den USA für technische Jobs eingestellt habe, seien nur fünf Latinos und nur sechs Afro-Amerikaner gewesen.
 
Die insgesamt weniger als 30 (!) Afro-amerikanischen Angestellten würden zudem bis zu 7,5 Prozent weniger verdienen, als ihre Kollegen.
 
Rund 5000 Frauen würden bis 20 Prozent zu wenig verdienen. Dies entspreche 165 Millionen Dollar an insgesamt entgangenen Zahlungen in der Periode von 2013 bis 2016.
 
Angestellte mit asiatischen Wurzeln sind bei Oracle wesentlich häufiger als andere Minderheiten und werden laut der Klage auch bei Anstellungen bevorzugt, sogar verglichen mit Weissen. Zum Grund äussert das DoL einen weiteren bösen Verdacht: Oracle tue dies bewusst, weil viele davon nach ihrer Anstellung auf das Unternehmen angewiesen sein, um Arbeitsbewilligungen in den USA zu erhalten. Dies erlaube es Oracle später, ihre Löhne zu drücken. Und zwar im Laufe der Jahre sogar immer deutlicher.
 
Im Schnitt würden die rund 11'000 Oracle-Angestellten mit asiatischen Wurzeln bis zu acht Prozent weniger Lohn erhalten als ihre Kollegen. Der Schaden betrage 234 Millionen Dollar für die Angestellten in der genannten Vier-Jahres-Periode.
 
Das DoL möchte mit seiner Klage erreichen, dass Oracle diese Lohnsummen nachzahlen muss. Für Oracle könnte der Gerichtsentscheid eine hohe Bedeutung haben, denn US-Behörden sind sehr wichtige Kunden. Um diese beliefern zu können, müssen sich Lieferanten aber an strikte Anti-Diskriminierungsvorschriften halten. (hjm)
 
(Update: Inzwischen hat Oracle ein Statement zu dieser Klage veröffentlicht.
 
"Diese unbegründete Klage basiert auf falschen Anschuldigungen und einem äusserst fehlerhaften Prozess im OFCCP (Office of Federal Contract Compliance Programs, Anmerkung der Redaktion), der auf Rosinenpicker-Statistiken basiert statt auf der Realität. Wir bestreiten diese falschen Behauptungen heftig, und werden damit fortfahren, sie zu wiederlegen. Wir folgen unseren regulatorischen Pflichten, engagieren uns für Gleichstellung und sind stolz auf unsere Angestellten." (Übersetzung: hjm)