Six sinniert über KI, Cloud und Auto­matisierung der Börse

Mit der Zukunft der Börse hat sich Six in einem White Paper beschäftigt. Acht mögliche Szenarien skizzieren die Autoren im Paper "Future of the Securities Value Chain", das heute veröffentlicht wurde. Das wahrscheinlichste Szenario, so Six, zeigt auch die wesentliche Rolle von neuen Technologien. Genannt werden unter anderem Künstliche Intelligenz, Analytics, Big Data und Cloud Computing. Auch der Automatisierungsgrad in der gesamten Wertschöpfungskette werde stark zunehmen.
 
"Das White Paper soll die Diskussion anregen und inspirieren, über neue Geschäftsmöglichkeiten nachzudenken, speziell im Spannungsfeld zwischen Startups und traditionellen Akteuren. Es ist wichtig, dass wir die Fortschrittsdebatte offen führen und vorantreiben", sagt CEO Jos Dijsselhof.
 
In dem laut Six wahrscheinlichsten Szenario beschreiben die Autoren eine fünf bis zehn Jahre entfernte Zukunft, in dem börsennotierte Anlageklassen nach wie vor am beliebtesten sind, da sie von den Anlegern als Qualitätsindikator betrachtet werden. Allerdings gibt es eine "Explosion in der Anzahl und Vielfalt" der digitalisierten Assets. Hiermit sind digitale Darstellungen von Rechten an realen Vermögenswerten gemeint.
 
Die Distributed-Ledger-Technologie, einschliesslich ICOs, habe die Finanzmärkte nicht massiv gestört. Ebensowenig die Fintechs, denen ein disruptives Potenzial nachgesagt wird. Globale Tech-Konzerne haben sich in der Finanzwelt immer breiter gemacht. Sie machen sich unter anderem ihre globale Kundenbasis, Kundendaten und ihre Infrastruktur zu nutze. Amazon vergebe heute schon Kredite an die Verkäufer des Amazon Market Places. Eine Erweiterung dieser Dienstleistungen würde nicht überraschen. So könne es sein, dass Amazon oder andere Tech-Firmen wie Social-Media-Konzerne Kreditleistungen einem breiteren Publikum zur Verfügung stellen oder eine Infrastruktur für Investoren einrichten.
 
Repetitive Aufgaben werden stark automatisiert. Dank Automatisierung und Digitalisierung gehen die direkten Kosten der Kotierung stark zurück. Die Studie sieht zudem traditionelle Broker und andere Zwischenhändler in dem Zukunftsszenario stark unter Druck. Primärmärkte, wo die Wertpapiere emittiert werden, sind für Emittenten und Anleger direkt zugänglich geworden – der Intermediär ist somit nicht mehr zwingend nötig.
 
Unklar bleibt, wohin sich die IT-Infrastruktur bewegt, schreiben die Autoren. Werden Central Ledgers durch die Distributed Ledger Technology (DLT) ersetzt? Sicher sind die Autoren des White Papers, dass beide Modelle nur in einem regulierten Umfeld mit registrierten Benutzern (permissioned Blockchain) erfolgreich sein können.
 
Das gesamte White Paper gibt es bei Six als PDF. Es markiere den Auftakt zu einer Serie, die SIX in regelmässigen Abständen veröffentlichen werde. (kjo)