So marschiert die US-Armee in die Multi-Vendor-Cloud

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Ein Cloudstrategie-Papier zeigt, wie das Pentagon Enterprise-Cloud, KI und as-a-Service-Modelle nutzen will, um Kriege zu gewinnen.

Das US-Verteidigungsministerium (DoD) hat eine Zusammenfassung der eigenen Cloud-Strategie nun öffentlich zugänglich gemacht. Das ist unseres Wissens nicht nur eine Premiere. Das Dokument ist zudem konkreter als die "Cloud Computing Strategie der Schweizer Behörden", die bis 2020 gültig ist.
 
Die Prämisse: "Das DoD muss ein Organisationskonstrukt entwickeln, das die Übernahme der Enterprise Cloud sicherstellt. Die Zeit dafür ist jetzt. Das DoD kann es sich nicht mehr leisten, die technologische und kulturelle Umstellung auf wirklich moderne Technologien zu verzögern."
 
Nun ist das DoD bereits heute in der Cloud, beziehungsweise in Clouds. Das Papier zeigt auf einer Infografik mehrere "interne Clouds", speziell "milCloud 1.0" und "milCloud 2.0". Dabei handelt es sich offenbar um on-prem-Cloud-Infrastruktur der Defense Information Systems Agency (DISA), einer Art IT-Anbieter-Einheit des DoD.
 
Zudem sieht man Symbole für diverse Clouds von externen Vendors. Und genau hier liege das Problem des Ist-Zustands: Viele Cloud-Silos, ineffizient und nicht integriert.
 
Dies soll sich angesichts der Datenflut ändern, so das Strategiepapier, denn die bisherige Vorgehensweise "hat zu einer Unmenge von Problemen geführt". So können Frontsoldaten, Entscheidungsträger und DoD-Mitarbeiter kritische Informationen nicht in Echtzeit nutzen.
 
Nun will das DoD Künstliche Intelligenz verstärkt einsetzen, skalierbare Infrastruktur nutzen und wählt einen Weg, der eine allgemeine Cloud für alle Zwecke sowie "Fit-for-Purpose"-Clouds zum Ziel hat.
 
Die allgemeine Cloud ist synonym mit dem JEDI Cloud-Programm. Diese zehn-Milliarden-Dollar-Beschaffung macht Schlagzeilen, weil es juristische Streitereien gibt, welcher Cloud-Vendor zum Zuge kommt. So hat Oracle gerichtlich Einsprache gegen den Zuschlag an AWS erhoben. Der Vorwurf lautet Vorbefassung.
 
Die massgeschneiderten "Fit-for-Purpose"-Clouds scheinen auf besserem Wege dazu, rasch skalierbare Lösungen auf Enterprise-Level zu werden.
 
Es werden nämlich laut einem YouTube-Video (sic!) seit
Die Strategie des Pentagons (Screenshot).
letztem Herbst und bis März 2019 1200 Applikationen von eigenen RZs des DoD in mindestens eine "milCloud 2.0" der DISA migriert.
 
Die Zielarchitektur umfasse mehrere dieser sogenannten "Fit- For-Purpose"-Clouds und man will mit Vernetzung die verfügbaren Daten auch besser und schneller nutzen können.
 
"Für Krieg und Sieg entscheidend"
Dabei will die Armee alles haben, was die Privatwirtschaft auch will: Automatisierte Provisionierung und Verrechnung, Cloud-native Applikationen und alles in einer Hybrid-Cloud und Multi-Vendor-Welt.
 
Die Leitprinzipien dazu: "Warfighter First", Adoption von Best Practices aus der Privatwirtschaft, eine Cloud-Organisations-Kultur entwickeln und Daten-Transparenz sicherstellen.
 
Einige kritische Anwendungen werden in die Kriegs-Enterprise-Cloud gehen, aber nicht alle. Details werden keine verraten.
 
Aber die Stossrichtung ist klar: "Die schnelle Bereitstellung des DoD-Zugriffs auf Cloud-Computing und globale Datenspeicherung ist für die Landesverteidigung und die Vorbereitung des DoD auf Krieg und Sieg entscheidend."
 
Das Strategiepapier kann als PDF heruntergeladen werden. Es sieht allerdings aus, als wäre es nicht medienbruchfrei entstanden, sondern wie ein Scan auf einem billigen Multifunktionsdrucker. (Marcel Gamma)