Alle zufrieden? Schweizer Telcos kaufen für 380 Millionen 5G-Frequenzen

Eine vierter Bieter aus Grossbritannien geht leer aus.
 
Swisscom, Sunrise und Salt haben neue Mobilfunkfrequenzen für insgesamt 380 Millionen Franken ersteigert. Die Summe fliesst in die Bundeskasse.
 
Die meisten Frequenzblöcke schnappte sich Swisscom. Das Bieterrennen um die Frequenzen hatte bei 220 Millionen für alle Frequenzen begonnen. Fünf Frequenzblöcke à 5 Megahertz blieben jedoch ungenutzt. Die ComCom will diese zu einem späteren Zeitpunkt erneut ausschreiben.
 
Swisscom bezahlt nun 195,6 Millionen Franken für die von ihr ergatterten Frequenzen. Sunrise wendet 89,2 Millionen Franken auf und Salt 94,5 Millionen.
 
Auch die britische Netzwerkfirma Dense Air hatte mitgeboten, erwarb jedoch letztlich keine Frequenzen. Die Firma hatte sich zuvor in Neuseeland und Australien als Überraschungsbieter entsprechende Frequenzen gesichert.
 
Gerangel im Vorfeld, Zufriedenheit nach der Auktion
Swisscom, Sunrise und Salt können die Frequenzen nun für 15 Jahre nutzen. Im Vorfeld hatte es bereits ein Gerangel um die Frequenzverteilung gegeben. Die Telekomanbieter kritisierten die Bietbeschränkungen, die die Comcom festgelegt hatte.
 
Kein Betreiber solle leer ausgehen, erklärte die Comcom bei der Vorstellung der Auktionsregeln im Sommer. Bei den 700 MHz-Frequenzen durfte ein Anbieter maximal die Hälfte ersteigern, bei den 3,5 bis 3,8 GHz-Frequenzen waren es höchstens 40 Prozent.
 
Sunrise und Salt störten sich vor allem an der zu grosszügigen Maximalgrenze von Frequenzblöcken. Genau das Gegenteil bemängelte Swisscom: Die Bietbeschränkungen seien viel zu eng gesteckt. Swisscom habe heute mit Abstand am wenigsten Frequenzen pro Kunde. Dieser Zustand werde nun zementiert.
 
Salt und Sunrise zeigten sich nun in einer Mitteilung sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Auktion, während sich Swisscom offiziell in Zurückhaltung übte. Der Blaue Riese sprach von einer "langfristigen Investition in die Zukunft".
 
Die Aufteilung des Frequenz-Kuchens
Bei den begehrten Frequenzen von 700 Megahertz (MHz) – die von 703 bis 788 MHz reichen – und jenen von 3,5 bis 3,8 Gigahertz konnte sich Swisscom die grössten Frequenzbänder sichern: Bei 700 MHz erhält sie 30 MHz, während Salt und Sunrise 20 beziehungsweise 10 MHz ersteigerten. Zusätzlich holte sich Salt sogenannte Supplementary-Downlink-Frequenzen (SDL) in diesem Bereich von 10 MHz. Diese können für erhöhte Kapazitäten beim Herunterladen von Daten eingesetzt werden.
 
Bei 3,5 Gigahertz ergatterte die Swisscom 120 MHz, Sunrise erhielt 100 MHz, Salt 80 MHz. Die 700 MHz-Frequenzen sind so begehrt, weil sie eine grosse Reichweite haben. Mit relativ wenigen Antennen lässt sich eine grosse Fläche abdecken. Die 3,5 bis 3,8 GHz-Frequenzen bieten dagegen viel höhere Geschwindigkeiten. Zudem können wesentlich mehr Geräte eine Antenne gleichzeitig nutzen.

Bei den 1400 MHz-Frequenzen schnappt sich Swisscom ebenfalls das Gros der Blöcke. Auf gar kein Interesse stiessen die 2600 MHz-Frequenzen.
 
Die Telcos wollen nun 5G so schnell wie möglich einführen. Noch dieses Jahr sollen den ersten Kunden entsprechende Dienste zur Verfügung gestellt werden. Bis dahin werden auch erste Smartphones erwartet, die tatsächlich die Vorteile von 5G ausschöpfen können: Mehr Tempo, schnellere Reaktionszeiten und höhere Kapazitäten. (sda/ts)