Zürcher Kantis: Informatik drängt Latein zurück

Der Kanton Zürich will an Untergymnasien neue Schwerpunkte setzen. Der Anteil der technischen und naturwissenschaftlichen Fächer soll ausgebaut werden.
 
Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) will mit dem Projekt "Gymnasium 2022" die "neuesten Entwicklungen in der Gesellschaft aufnehmen, etwa die Digitalisierung", wie sie vor den Medien sagte. "Damit wird den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes Rechnung getragen, der nach Fachkräften verlangt."
 
"Gymnasium 2022" will den MINT-Fächern am Untergymnasium mehr Lektionen geben. Von den bisher im Schnitt 7,5 Lektionen pro Woche sollen diese Fächer auf 8,5 Lektionen ausgebaut werden. Neu sollen in den Schulen auch Themen wie Robotik oder Laborunterricht Platz finden.
 
Der Bund und die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) haben sich bereits für ein Informatik-Obligatorium ausgesprochen. Spätestens ab dem Schuljahr 2022/2023 muss das Fach demnach an Gymnasien unterrichtet werden.
 
Unterrichten Latein-Lehrer künftig Informatik?
Bei welchen Fächern die Gymnasien den Ausbau des MINT-Unterrichts kompensieren, ist noch nicht definiert. "Es ist aber davon auszugehen, dass die meisten Schulen beim Latein kürzen werden", sagte Niklaus Schatzmann, Leiter des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes.
 
Der Ausbau der MINT-Fächer soll aber "nicht zu einer Schwächung der Sprachen führen", wie Schatzmann weiter sagte. Um die Kürzungen aufzufangen, seien etwa zweisprachige Lektionen denkbar.
 
Bildungsdirektorin Steiner hofft, dass Latein-Lehrer offen sind für andere Fächer, etwa jene im MINT-Bereich. "Wir werden jede Lehrkraft brauchen." Vor allem Informatik-Lehrer werden künftig mehr benötigt, weil dieses Fach auf dem Obergymnasium Pflicht wird.
 
Der Kanton sieht vor, dass das Projekt "Gymnasium 2022" bis 2022 abgeschlossen ist und die neuen Fächer ab 2023 angeboten werden. Für die Ausarbeitung des Projektes bewilligte der Regierungsrat 2,88 Millionen Franken. (sda/ts)