Wells Fargo: Totalausfall bei der Grossbank nach Rauch im RZ

"Wir haben Systemprobleme aufgrund einer Stromabschaltung in einer unserer Anlagen. Sie wurde eingeleitet, nachdem nach einer routinemässigen Wartung Rauch entdeckt wurde." Dies schreibt die US-Grossbank Wells Fargo gestern Morgen auf ihrer Website.
 
Zur genaueren Ursache des Problems schweigt sich die Bank aus. Auf Reddit meldet sich aber ein User, der vorgibt, Informationen aus erster Hand zu haben. In einem Thread für System-Administratoren schreibt er: "Die Anlage zur Feuerbekämpfung wurde heute Morgen in einem ihrer Hauptrechenzentren ausgelöst. Keine Stromversorgung des Netzwerks oder der Rechenanlage und einige Ausfallsicherungen funktionierten nicht wie erwartet."
 
'CNBC' zitiert den Chef der Feuerwehr in Lake Johanna, Minessota. Laut diesem wurde gegen sechs Uhr (MEZ) das Feuerlöschsystem in einem Wells-Fargo-RZ vor Ort aktiviert. Als die Feuerwehr eintraf, habe sie allerdings keine Hinweise auf einen Brand vorgefunden, gab er zu Protokoll.
 
24 Stunden später: Es bestehen immer noch Probleme
Auf Twitter häuften sich im Verlauf des gestrigen Tages Reklamationen von verärgerten Kunden, die weder auf ihr Online- und Mobile-Banking zugreifen noch über Bankomaten Geld beziehen oder mit der Kreditkarte bezahlen konnten.
 
Rund 22 Stunden nach der Mitteilung des Schadensfalls meldet Wells Fargo: "Wir entschuldigen uns bei unseren Kunden. Online- und Mobile-Banking, Geldautomaten und die meisten anderen Dienstleistungen sind inzwischen verfügbar."
 
Die meisten? Laut einer aktuellen Mitteilung arbeitet man noch an der Widerherstellung der Kredit-Karten- und Hypotheken-Kontostände. Man könne Karten aber wieder für Einkäufe verwenden, so die Bank.
 
"Wir werden Sie auf dem Laufenden halten, wenn wir die Wiederherstellung aller Dienstleistungen für unsere Kunden abgeschlossen habe", vertröstet Wells Fargo seine Kunden.
 
Warum griffen die redundanten Ressourcen nicht?
Dass ein solcher Vorfall in einem einzelnen RZ sowohl das gesamte Online-Banking als auch die Karten-Abwicklung eines Banken-Giganten lahmlegen kann und zudem offenbar Kontostände verschwinden lässt, erstaunt. Ob und warum Redundanzen und Backups nicht griffen, ob der Shutdown etwa einen kaskadierenden Fehler erzeugte, der auf weitere Ressourcen übergriff, ist bis dato nicht bekannt.
 
Es ist offenbar der zweite Ausfall innerhalb einer Woche, wie das US-Medium 'Businessinsider' berichtet. Bereits letzten Freitag hatte die Grossbank Probleme mit dem Online- und dem Mobile-Banking zu beklagen. Etliche Kunden haben über Social-Media-Kanäle angekündigt, der Bank den Rücken zu kehren.
 
Wells Fargo ist nach Bilanzsumme die drittgrösste und nach Börsenkapitalisierung die zweitgrösste Bank der USA. Die Universalbank zählt nach eigenen Angaben rund 260'000 Mitarbeiter an über 8000 Standorten. (ts)