Der CIO darf einen Kulturwandel nicht HR überlassen

IT-Chefs müssen sich bei der digitalen Transformation zwingend auch in die Unternehmenskultur einmischen, sagt Gartner.
 
Glaubt man den jüngsten Forschungen der Analysten von Gartner, werden bis 2021 CIOs ebenso verantwortlich für den Kulturwandel in Unternehmen sein wie die Chief HR Officers. Diese Prognose ist jedenfalls dem (kostenpflichtigen) Bericht "Predicts 2019: A Dynamic Culture Will Accelerate Digital Transformation" zu entnehmen.
 
Dessen Ausgangspunkt ist, dass erfolgreiche Initiativen zur digitalen Transformation von kulturellen Veränderungen begleitet werden müssen. Derzeit seien 50 Prozent der Transformationsinitiativen "klare Misserfolge", weil das Haupthindernis laut den von Gartner befragten CIOs eben die fehlende kulturelle Anpassung ist.
 
"Die logische Schlussfolgerung ist, dass CIOs mit dem Kulturwandel beginnen sollten, wenn sie eine digitale Transformation starten", so Gartner weiter. Sie sollten nicht darauf warten, ihn nachträglich anzugehen, konstatieren die Marktforscher.
 
Laut einer Umfrage hätten die Situation bereits 67 Prozent der Unternehmen verstanden und Initiativen zur Kulturveränderung abgeschlossen oder steckten bereits in deren Umsetzung. Diese Anstrengungen werden sich laut den Analysten verstärken. Demnach sollen in den kommenden drei Jahren 80 Prozent der mittelständischen bis grossen Unternehmen ihre Kultur mit dem Ziel verändert haben, die digitalen Transformation zu beschleunigen.
 
Derzeit fehle es aber noch an der Kooperation zwischen den involvierten Verantwortungsebenen, hält Gartner weiter fest. Denn Mission und Werte eines Unternehmens zu definieren, fallen in der Regel noch in den Aufgabenbereich der Personalabteilung. Dies obwohl bekannt sei, dass erst gemeinsame Entscheidungen von IT und HR zusammen mit Technologie und Prozessgestaltung die gewünschte Unternehmenskultur fördern würden.
 
Da in einer Zeit des kontinuierlichen Wandels eine proaktive und adaptive Unternehmenskultur ein kritischer Wert sei, käme den CIOs eine Schlüsselrolle bei der Etablierung der richtigen Denkweisen und Praktiken zu.
 
Da sie erkannt hätten, dass die Kultur ein Beschleuniger der digitalen Transformation sein kann, und dass sie die Mittel haben, eine gewünschte Kultur durch ihre Technologiewahl zu stärken, sei eine Partnerschaft mit den Chief HR Officers "der perfekte Weg", so das Fazit von Gartner.
 
Vorschlag eines "Kultur-Hacks"
Allerdings sei solch ein Kulturwandel ein Prozess, nicht zuletzt weil digitale Initiativen immer wieder mit liebgewordenen Denkweisen und Praktiken von Menschen konfrontiert werden. Darum schlägt Gartner einen "Culture Hack" vor.
 
Man solle also mit einer kleinen, motivierten Benutzergruppe starten, um schnelle Erfolge und Ergebnisse präsentieren zu können. Zu beachten sei dabei jedoch, dass zum Erreichen der anstrebten Ziele "idealerweise an vorderster Front" Entscheidungen getroffen werden müssen. Es brauche multidisziplinäre Teams, die auch in der Verantwortung für finanzielle Ziele stehen.
 
"Diversity & Inclusion" heisst diesbezüglich das Schlagwort der Gartner-Forscher. Studien hätten gezeigt, dass dank Integration die Leistung verschiedener Teams um mehr als 30 Prozent verbessert werden, betonen die Analysten.
 
So sagt Gartner denn auch schon für 2022 voraus, dass 75 Prozent der Unternehmen mit Frontline-Entscheidungsteams – in denen sich also Vielfalt und integrative Kultur spiegeln – ihre bisherigen finanziellen Ziele übertreffen werden. (vri)