Huawei unter Druck: Wir tun alles, was ihr wollt

Huawei will mit den Behörden von misstrauischen Ländern zusammenarbeiten, um im 5G-Rennen zu bleiben.
 
Das Misstrauen in die Sicherheit von Netzwerkinfratruktur des chinesischen Herstellers Huawei steigt weltweit in vielen Ländern, hauptsächlich aufgrund der hartnäckigen und immer lauter werdenden Warnungen aus den USA. Angelsächsische Ländern wie Australien oder Neuseeland haben Huawei bereits ausgeschlossen. Auch in Europa steigt die Gefahr für die Chinesen, beim Bau von 5G-Netzen aussen vor zu bleiben
 
Bisher sei die Nachfrage trotz allem nicht zurückgegangen, erklärte ein Huawei-Vertreter laut 'Bloomberg' in Warschau. Aber dies sei nur der Momentanzustand. Wenn die Situation noch länger anhalte würden Huaweis Geschäfte natürlich beeinträchtigt.
 
Gegenwärtig findet für Huawei sozusagen eine "Schlacht um Polen" statt. Der US-Vizepräsident Mike Pence wiederholte gemäss 'Reuters' auf einer Reise nach Polen die Warnungen vor Huawei, die zuvor schon Staatssekretär Mike Pompeo gemacht hatte.
 
Huawei hat ebenfalls Leute nach Polen entsandt, um mit den dortigen Behörden zu reden. Darunter ist Andy Purdy, Chief Security Officer von Huawei Technologies USA. Er erklärte laut 'Reuters', dass Huawei bereit sei, mit Regierungen in allen Ländern zusammenzuarbeiten, um allfällige Sicherheitsauflagen und -Ansprüche zu erfüllen und das Misstrauen aus den Weg zu räumen. Zum Beispiel könnten diese den Quellcode von Huawei-Produklten testen. Dies könnte natürlich, fügte er an, auch "auf andere Hersteller ausgedehnt werden."
 
Während Huawei versucht, in Polen Gehör zu finden, gibt es auch in Deutschland Ereignisse, welche die Chinesen scharf beobachten müssen. So hat gemäss einem Bericht von 'Heise' Innenminister Horst Seehofer eine Änderung des deutschen Telekommunikationsgesetzes angekündigt. Anscheinend sollen künftig die Lieferanten der Netzbetreiber ihre Produkte unter Sicherheitsaspekten zertifizieren lassen und Sicherheitsgarantien abgeben müssen.
 
Diese Auflagen würden aber für alle Hersteller, nicht nur für Huawei gelten. Angesichts der gerade geäusserten Bereitschaft Huaweis, genau solches zu tun, könnte dies sogar ein Vorteil für die Chinesen sein.
 
"Huawei-Technologie ist zu modern für uns"
Definitiv nicht positiv sind dagegen aktuelle Aussagen des früheren Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Schindler, die wir ebenfalls bei 'Heise' gefunden haben. Es gebe Risiken, wenn Huawei am Bau der neuen Netze beteiligt wäre, denn wer die Technik bereitstelle, sei auch "in der Lage, Kommunikationsinhalte abzugreifen".
 
Es ist nicht unsere Absicht, uns schützend vor Huawei zu stellen. Aber: Rein von der Logik her müsste dies ja auch für alle anderen möglichen Lieferanten ebenso gelten.
 
Interessant ist auch die Logik des zweiten Arguments, das Schindler laut 'Heise' vorgebracht hat: Huawei sei schlicht zu modern, und das sei ein Risiko für die Betriebssicherheit. "Die Technologie von Huawei ist anderthalb bis zwei Jahre weiter als unsere. Wir sind also gar nicht in der Lage, zu beurteilen, was da eingebaut wird. Es sind daher Szenarien denkbar, dass im Krisenfall unser Netz abgeschaltet wird, worauf wir nicht vorbereitet sind." (hjm)