Valora: Wird der automati­sierte Schweizer Kiosk ein Daten­staub­sauger?

Der Nanostore kann von den Aifi-Kunden mit eigenem Brand versehen werden. Bild: Aifi
Der Kiosk- und Avec-Betreiber Valora will zusammen mit einem Startup aus dem Silicon Valley vollautomatisierte Retail-Stores in die Schweiz bringen. Man setze für das neue Konzept auf künstliche Intelligenz, Edge Computing und Sensoren-Technologie, schreibt Valora in einer Mitteilung. Denn darauf basiert das Auto-Checkout-System Nanostore, das vom Jungunternehmen Aifi entwickelt und erst kürzlich in den USA vorgestellt worden ist.
 
In den sogenannten "K Kiosk Boxen" soll man dank einer App ohne Scanprozess Produkte einpacken und wieder gehen können. Das ist der Unterschied zur "Avec Box", die Valora im letzten Dezember angekündigt hatte. In dieser wird man die gewünschten Produkte scannen müssen und auch über eine Scanfunktion Einlass erwirken. "Avec Box" soll bereits im Frühjahr in Wetzikon seine Türen öffnen.
 
Sensoren, künstliche Intelligenz und der Datenschutz
Die erste "K Kiosk Box" soll ebenfalls bereits 2019 eröffnet werden und als Test-Ballon dienen. Vorerst würden die Aspekte des Datenschutzes aber umfassend überprüft, verspricht Valora. Aifi wirbt auf seiner Website schliesslich, dass dank Computervision, Deep Learning und verschiedentlichen Sensoren das Verhalten jedes Kunden im Store genau verfolgt und die gewählten Produkte automatisch erkannt würden.
 
Aber man verspricht aus dem sonnigen Santa Clara auch, dass keine personenbezogenen Daten den Shop verlassen würden, weil die Verarbeitung dezentral über Edge Computing laufe. Aufgezeichnet werden die Daten aber natürlich trotzdem. Aifi bietet seinen Kunden nämlich auch Echtzeit-Analysen des Kundenverhaltens und der Ladenbestände – welche Daten von den Sensoren konkret erfasst werden, geht aus den Ausführungen des Startups oder der Mitteilung von Valora nicht hervor.
 
Als Vorbild für das neue Konzept dürften die Amazon-Go-Läden dienen. Der erste davon wurde in Seattle bereits Anfang letzten Jahres eröffnet. Gianna Puerini, Vice President Amazon Go, gab damals zu Protokoll, dass dank KI etwa Kaufverhalten oder gar Kundenzufriedenheit analysiert werden könnten – zum Beispiel ob sich ein Kunde beim Kaufentscheid wohl fühle. Welche Art von Daten, etwa biometrischer Natur, dafür konkret gesammelt werden, ist nicht einwandfrei geklärt. Dies führte zur Kritik aus Kreisen von Datenschützern.
 
Ähnliches könne auch die Lösung von Aifi, berichtete 'Techcrunch'. Auf Anfrage von inside-it.ch, welche Daten im neuen Store erfasst und wie diese genutzt würden, schreibt Valora lediglich: Es sei "noch zu früh, um konkrete weiterführende Angaben zu machen". Das Nano-Store-Konzept werde auf die Schweizer Bedürfnisse adaptiert.
 
Der Standort des Test-Shops der "K Kiosk Boxen" werde zu gegebener Zeit bekannt gegeben, so Valora. Man wähle Standorte, an denen es keine oder nur sehr geringe Convenience-Angebote gebe. Die Shops sollen auf jeweils rund 20 Quadratmetern neben dem gängigen Kiosk-Sortiment auch Frischprodukte im Angebot haben. (ts)