Empa weiht "digital gebautes" Haus in Dübendorf ein

(Foto: Roman Keller)
Nicht nur mit der digitalen Planung, auch mit dem Rückgriff auf Bauroboter und 3D-Drucker hat die Forschungsanstalt Empa gezeigt, wie Bautechnologien von morgen aussehen werden.
 
Auf dem "Nest" genannten modularen Forschungs- und Innovationsgebäude von Empa und Eawag in Dübendorf ist soeben das dreigeschossige sogenannte DFAB House offiziell eröffnet worden. Es handelt sich laut der Forschungsanstalt um das "weltweit erste bewohnte Haus", das "weitgehend digital gebaut wurde". In etwa zwei Monaten sollen akademische Gäste von Empa und Eawag als erste Bewohner die 200 Quadratmeter Wohnfläche beziehen können.
 
Die eingesetzten Bautechnologien wie Bauroboter und 3D-Drucker hätten Forschende der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit Industriepartnern entwickelt, heisst es in einer Mitteilung.
Als konkret digital erstellte Bauteile wird eine feingliedrige Betondecke genannt, die in 3D-gedruckten Schalungen gegossen wurde. Ausserdem wird eine geschwungene Betonwand angeführt, deren Drahtgeflecht ein Bauroboter erstellt hat. Zudem seien die beiden oberen Wohngeschosse von Holzrahmen geprägt, die ebenfalls mit Hilfe zweier Bauroboter vorfabriziert und in komplexer Geometrie angeordnet wurden, wie es weiter heisst.
 
Ausserdem wurde in dem Bau alles an Smarthome-Technologie verbaut, was heute auf dem Markt ist. Von der intelligenten und mehrstufigen Einbruchsicherung über automatisierte Blend- und Beschattungsmöglichkeiten bis hin zur neuesten Generation vernetzter Haushaltsgeräte. Zudem sei das DFAB House auch mit smarter Energieversorgung ausgerüstet.
 
Die verbauten Photovoltaikmodule auf dem Dach liefern im Jahresdurchschnitt etwa eineinhalb Mal so viel Strom, wie selbst verbrauchen wird. Eine intelligente Steuerung sorgt dafür, dass keine Lastspitzen auftreten, schreibt die Empa.
 
Die Wärme des Abwassers werde über Wärmetauscher genauso zurückgewonnen, wie warmes Wasser bei Nicht-Gebrauch aus den Leitungen zurück in den Boiler fliesst, statt in den Leitungen abzukühlen. So werde ebenfalls Energie und Wasser gespart, zusätzlich aber auch die Gefahr von Bakterienbildung in den Leitungen minimiert, heisst es weiter.
 
In einem Videoclip demonstrieren und kommentieren die am Bau Beteiligten den Rückgriff und Einsatz der digitalen Bautechnologien. Dass dabei nach wie vor viel Handarbeit im Bausektor nötigt ist, wird nicht verschwiegen.
 
Am Bau des digitalen Hauses seien Forschende aus acht Professuren der ETH Zürich im Rahmen des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NFS) "Digitale Fabrikation" beteiligt gewesen. Zusammen mit den Partnern aus der Industrie hätten sie die diversen digitalen Bautechnologien vom Labor in reale Anwendungen übertragen können.
 
Ziel sei gewesen, mit digitalen Technologien das Planen und Bauen nicht nur effizienter, sondern auch nachhaltiger zu machen. Erreicht worden sei das beispielsweise bei der digital geplanten Geschossdecke, die statisch und strukturell derart optimiert worden sei, dass so "gegenüber einer herkömmlichen Betondecke beträchtliche Mengen an Material eingespart" wurden.
 
"Das architektonische Potenzial von digitalen Bautechnologien ist immens". Nur kämen diese Technologien "leider" noch kaum auf die Baustellen. Immerhin sei es mit dem DFAB House nun gelungen, "Hand in Hand mit der Industrie neue Technologien zu erproben und so den Transfer von der Forschung in die Praxis zu beschleunigen", resümiert Matthias Kohler, ETH-Professor für Architektur und digitale Fabrikation, das Projekt. (vri)