Schweizer Fintech-Welt wuchs 2018 um über 60 Prozent

Anzahl Fintechs in der Schweiz nach Bereich. Grafik: IFZ
Das Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) hat zum vierten Mal seine "IFZ Fintech-Studie" publiziert. In dieser unterzieht das Institut der Hochschule Luzern die hiesige Fintech-Welt einer umfassenden Prüfung. Vieles ist dem Beobachter der Szene bekannt: Die Schweiz bietet gute Rahmenbedingungen, Zürich und Genf sind hinter Singapur Top-Destinationen und der Fintech-Sektor wächst weiterhin, wie aus der Studie hervorgeht.
 
Die Wachstumsrate ist allerdings beeindruckend, nachdem die Anzahl Fintechs letztes Jahr um 16 Prozent zugenommen hatte: Ganze 62 Prozent mehr Fintechs gab es Ende 2018 als noch ein Jahr zuvor, es sind nun 356 an der Zahl.
 
Getragen werde das Wachstum vor allem von Fintechs im Bereich der Distributed Ledger Technology (DLT), deren Zahl sich laut IFZ verdreifacht hat. Mehr als ein Drittel der Schweizer Fintechs sind in diesem Bereich aktiv und der grösste Teil hat seinen Sitz im Crypto Valley. Der Zuger Standort zählt laut Studie mittlerweile 77 Blockchain-Fintechs.
 
In der Studie zählen nur Firmen mit klarem Fokus auf die Finanzindustrie zu den Fintechs, es fallen also zum Beispiel nicht alle Blockchain-Startups in den Studienbereich.
 
Mehr Geld gesammelt, aber weit weniger mit ICOs
Die Schweizer Fintechs hätten im Laufe des letzten Jahres in 68 öffentlich bekannten Finanzierungsrunden 324 Millionen Franken gesammelt – das ist über zweieinhalb Mal mehr Geld als 2017. Dazu kommen 15 ICOs, die 386 Millionen Dollar in die Taschen hiesiger Fintechs spülten. Dies entspricht aber nur noch etwa der Hälfte des letztjährigen Volumens.
 
Im Februar 2018 hatte die Finma eine Wegleitung für die 2017 fast wild wuchernde Finanzierungsform publiziert und Anleger erneut auf die Risiken aufmerksam gemacht. Global verdreifachte sich das Volumen der ICOs derweil auf rund 21 Milliarden Dollar.
 
Der grösste ICO wurde in der Schweiz von Envion durchgeführt, das rund 100 Millionen Dollar einnahm. Im Juli eröffnete die Finma wegen des ICOs ein Verfahren gegen das Unternehmen, das sich mittlerweile im Konkursverfahren befindet.
 
Die Plätze drei und vier der grössten ICOs belegen Nexo und SwissBorg mit 52,5 beziehungsweise 50 Millionen Dollar.
 
"Banken wappnet euch rechtzeitig!"
Die Blockchain-Startups sind, wie auch jene im Analytics-Bereich, hauptsächlich international ausgerichtet. Dies sei bei Tech-getriebenen Firmen festzustellen, wird in der Studie festgehalten. Die Finanz-getriebenen, wie etwa jene mit Fokus auf Deposit und Lending sowie Payment, orientierten sich hingegen stark auf den hiesigen Binnenmarkt.
 
Dem Boom im Fintechbereich stehe eine konträre Entwicklung im traditionellen Finanzsektor gegenüber, wo die Anzahl Institute und Mitarbeiter rückläufig sei, wie Co-Studienautor Andreas Dietrich von der HSLU schreibt. Die Warnung an die Banken ist deshalb altbekannt, aber auch dringlich: "Die neuen Technologien werden einen Teil der Dienstleistungen und Prozesse von traditionellen Banken übernehmen, sofern sich die Banken nicht rechtzeitig dagegen wappnen."
 
Zu Bedenken ist, dass die rückläufigen Zahlen in der Studie in den Jahren nach dem grossen Finanzcrash von 2008 abgebildet wurden. Und die Warnung ist auch sonst zu relativieren: "Es gibt nach wie vor verschiedene Kooperationen zwischen Banken und Fintechs", erklärt Co-Studienautor Thomas Ankenbrand auf Anfrage von inside-it.ch. (ts)