Six setzt für die Blockchain-Börse auf Corda von R3

Corda habe den regulatorischen Ansprüchen von Six am ehesten entsprochen, begründet das Unternehmen die Wahl.
 
Der Schweizer Börsenbetreiber Six hat für die geplante blockchainbasierte, digitale Börse "Digital Exchange (SDX)" die Corda-Plattform des Konsortiums R3 ausgewählt. Dies wurde im Rahmen einer Veranstaltung von R3 in Singapur bekanntgegeben.
 
Es wurden auch andere Anbieter und Hyper-Ledger-Technologien angeschaut, entschieden habe man sich letztendlich für Corda. Die Blockchain-Plattform habe den hohen regulatorischen Ansprüchen einer Börseninfrastruktur am ehesten entsprochen, begründet Mediensprecher Jürg Schneider gegenüber der Nachrichtenagentur 'AWP' die Wahl. Gegenüber 'Coin Desk' erklärt SDX-CDO Sven Roth: "Dies war uns sehr wichtig, denn bei der Bewertung verschiedener Anbieter waren einige von ihnen sehr stark auf Nischenangebote fokussiert und in ihrem Umfang auf sehr spezifische Bereiche, wie zum Beispiel Post-Trade, beschränkt, und wir wollten nicht nur auf dieses Fachgebiet beschränkt sein." Ausserdem habe das Open-Source-Ökosystem für Corda gesprochen.
 
Mit dem Handel von digitalen Vermögenswerten will Six noch im zweiten Halbjahr 2019 starten. Zuerst aber müsse noch die Finanzmarktaufsicht Finma grünes Licht geben für den SDX, erklärt Schneider.
 
Nachdem R3 bereits vergangenes Jahr einen kommerziellen Corda-Deal mit der niederländischen Bank ING abgeschlossen hat, freut man sich über den nächsten prominenten Anwender. "Was wichtig ist die Tatsache, dass ein einflussreicher Mainstream-Finanzmarkt-Infrastrukturplayer beschlossen hat, einen Exchange für digitale Assets zu starten und dies mit Blockchain-Technologie", so Charley Cooper von R3. Der Deal sei eine weitere Bestätigung für Cordas Ansatz. Damit diese Plattformen für hochkomplexe und stark regulierte Märkte und Teilnehmer funktionieren können, könne man nicht einfach eine "traditionelle öffentliche Version der Blockchain im alten Stil nehmen und versuchen, sie nachzurüsten, um die Unternehmensanforderungen in Bezug auf Datenschutz und Skalierbarkeit zu erfüllen", führt Cooper aus.
 
Mit der Blockchain-Börse will Six vor allem die Kosten für Investoren senken und den Handel von Vermögenswerten ermöglichen, die in Form von Token auf einer Blockchain abgebildet werden können. Im Herbst 2018 sagte Six-Manager Thomas Zeeb, dass das bestehende System in etwa zehn Jahren vollständig vom SDX abgelöst werden sein könnte. In einem ersten Schritt sollen über den SDX Schritt ausgewählte Aktien angeboten werden. Danach sollen die anderen Aktien folgen und später Anleihen und möglicherweise ETFs. Heutzutage dauere es ungefähr zwei Tage bis eine Aktientransaktion vollumfänglich abschlossen sei. "Mit Hilfe der Blockchain-Technologie könnte sich diese Dauer auf wenige Sekunden beschränken", führt der Six-Sprecher aus.
 
Auch Nicht-Wertpapiere wie Gemälde oder Oldtimer könnten dereinst auf dieser Plattform den Besitzer wechseln als tokenisierte digitale Assets. Als Beispiel nennt Schneider etwa Kunstgegenstände. "Bis dahin ist der Weg aber noch lang", so Schneider.
 
Die auf Blockchain-Anwendungen im Finanzbereich spezialisierte New Yorker Firma R3 entstand 2015 als Konsortium einer Reihe internationaler Banken, darunter Credit Suisse und UBS, aber unter anderem auch Barclays, Deutsche Bank und HSBC. (Katharina Jochum/sda)