Steht Facebook vor dem grossen Umbruch?

Mark Zuckerberg äussert sich zur Zukunft des Social Networks. Wie schaut das künftige Business-Modell von Facebook aus?
 
In einem Essay widmet sich Facebook-CEO Mark Zuckerberg seiner Vision eines auf Privatsphäre fokussierten Social Networks. Es solle sich um eine "einfachere Plattform" handeln, bei der Privacy im Mittelpunkt stehen soll, schreibt er.
 
Ein Widerspruch zum aktuellen und erfolgreichen Business-Modell, wird sich nun der eine oder andere Leser denken. Denn Facebook hat im vergangenen Jahrzehnt sehr gutes Geld damit verdient, detaillierte Daten über User zu sammeln, analysieren und diese Informationen für Werbezwecke zu verwenden und weiterzugeben.
 
Die Frage, ob und wie ein Facebook, das sich laut Zuckerberg von einem Stadtplatz zu einem Wohnzimmer entwickeln soll, Geld verdienen kann, bleibt unbeantwortet. Facebook erzielte im vergangenen Jahr mit Werbeeinnahmen einen Umsatz von 55 Milliarden Dollar mit einer Gewinnmarge von 45 Prozent. Damit zähle es laut 'MIT Technology Review' zu einem der profitabelsten Unternehmen der Geschichte.
 
In seinem langen Essay sagt Zuckerberg nichts von Substanz darüber, wie er beabsichtigt, seine Firma in dieser vermeintlich neuen Ära profitabel zu halten. Aber einige Aussagen erlauben es, darüber zu spekulieren.
 
Facebook wird vom CEO nicht mehr als "Social Media Platform" sondern als "Messaging und Social Networking"-Plattform bezeichnet. Eine kleine Veränderung, aber ein Thema, das im Essay vordergründig behandelt wird.
 
Es sei wichtig, dass Menschen unkompliziert kommunizieren können, egal über welche Plattform, und dabei aber die Sicherheit hätten, dass niemand auf die Unterhaltungen zugreifen könne. "Ich glaube, dass sich die Zukunft der Kommunikation zunehmend auf private, verschlüsselte Dienste verlagern wird, bei denen die Menschen darauf vertrauen können, dass das, was sie zueinander sagen, sicher bleibt und ihre Nachrichten und Inhalte nicht für immer vorhanden bleiben", so Zuckerberg.
 
Er erwähnt End-to-End-Verschlüsselung. Und verschlüsselte Kommunikation über Whatsapp, Facebook Messenger oder Instagram könnten neue Geschäftsmöglichkeiten bieten, etwa im Payment- und E-Commerce-Bereich.
 
In diesem Zusammenhang erinnert man sich auch an den chinesischen Messenger WeChat, über den eine Vielzahl von Services angeboten werden, neben Messaging sind dies etwa Payment und weitere Banking-Services. Daneben ist zu erwähnen, dass es prinzipiell technisch möglich ist, Daten zu analysieren auch wenn diese verschlüsselt sind. Stichwort: Zero-Knowledge-Computing.
 
Zuckerberg schreibt, die Menschen "lieben es, ihr Leben aufzuzeichnen. Und wenn alle Beiträge auf Facebook und Instagram verschwinden würden, würden die Menschen den Zugang zu vielen wertvollen Informationen und Erfahrungen verlieren." Aber, so führt er aus, gebe es auch die Möglichkeit, einen neuen Standard für private Kommunikationsplattformen zu setzen, wo Nachrichten automatisch nach einer gewissen Zeit ablaufen. Dies könne auch auf andere Posts ausgedehnt werden.
 
Die Frage bleibt offen, wie ernst es Facebook mit der Privatsphäre der User meint. Das Unternehmen steht nach dem Cambridge-Analytica-Skandal unter Beobachtung, muss sich vor Usern und im US-Kongress rechtfertigen und hat wohl neben der DSGVO noch weitere Regulierungen bezüglich Datenschutz und Privatsphäre zu fürchten. (kjo)