300 Millionen Franken für Digitalisierung an Zürcher Hochschulen

Vier Hochschulen bündeln ihre Anstrengungen.
 
Die Universität Zürich, die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), die Pädagogische Hochschule (PHZH) und die die Hochschule der Künste (ZHdK) wollen in den nächsten zehn Jahren rund 300 Millionen Franken in eine gemeinsame Digitalisierungsinitiative stecken. 192 Millionen wollen die Hochschulen selber einbringen. Die restlichen 108 Millionen sollen vom Kanton, also vom Steuerzahler, kommen, so die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner heute an einer Medienkonferenz.
 
Ob das Geld fliessen wird, muss der Kantonsrat entscheiden. Sagt er Ja, kann die Digitalisierungsoffensive im kommenden Jahr starten. Das Projekt, das Steiner zusammen mit den Hochschulen anstossen will, nennt sich "DIZH", kurz für "Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen".
 
Man sei natürlich nicht bei null, betonte Steiner. Die Hochschulen hätten in den vergangenen Jahren bereits namhafte Beträge in die Digitalisierung investiert. Aber die "DIZH" soll zusätzlichen Schub verleihen und die Anstrengungen der vier Zürcher Hochschulen vor allem auch verknüpfen.
 
Die ETH wird nicht in den Genuss des Geldsegens kommen. Sie gehört dem Bund und ist deshalb nicht Teil der Zürcher Digitalisierungsoffensive. Die Zürcher Hochschulen würden aber bereits heute in verschiedenen Projekten mit der ETH zusammenarbeiten, sagte Steiner. Diese Projekte würden natürlich weitergeführt. Mit dem Geld der "DIZH" würden die kantonalen Schulen dabei zu stärkeren Partnern.
 
"Universitäre Doppelbürger"
Die Universität Zürich will bekanntlich die Lehre und Forschung im Bereich Digitalisierung ausbauen und hat dafür 18 neue Professorenstellen vorgesehen. Die Initiative erlaube nun einen "zweiten Schub" und die Verdoppelung der zusätzlichen Professuren.
 
An der Uni Zürich geplant sind neue Professuren für die UZH Digital Society Initiative DSI, der Aufbau eines Doktoratsprogramms sowie die Förderung von Infrastrukturen und Laborraum. Dazu kommt ein Innovationsprogramm und der Aufbau neuer Studienprogramme.
 
Ausserdem sind drei bis vier DIZH-Brückenprofessuren geplant. Mit diesen betreten die vier Zürcher Unis Neuland. Geplant sind drei bis vier hochschulübergreifende Lehrstühle, die einen interdisziplinären Schwerpunkt verfolgen und an der UZH stationiert sind. "Wir werden Leute berufen, die sowohl die Kultur der Universität als auch jene der jeweiligen Partnerhochschule kennen – eine Art universitäre Doppelbürger", so Unirektor Michael Hengartner.
 
ZHAW will Data Science Lab ausbauen
An der ZHAW wiederum sollen 80 Millionen Franken in digitale Projekte und Spin-Offs investiert werden. Das Geld soll unter anderem für den Ausbau des Data Science Lab oder für die Unterstützung von Spin-Offs eingesetzt werden. Ausserdem will die Hochschule mithelfen, digitale Lerninhalte zu entwickeln, um die eine Brücke zwischen Berüfsmaturität und Fachhochschulstudium zu schlagen, so ZHAW-Rektor Jean-Mac Pivetau gemäss einem Bericht der 'NZZ'.
 
Die ZHdK will mit dem Geld unter anderem eine Professorenstelle schaffen, welche sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Kreativwirtschaft befasst. Geplant sind etwa Projekte für die virtuelle Filmproduktion.
 
Schliesslich will die pädagogische Hochschule die zusätzlichen Mittel einsetzen, um Angebote zu entwickeln, mit denen Schüler individuell lernen können. Mit Virtual Reality soll das Lernen in Naturwissenschaften, Gestaltung und Sport gefördert werden. Vielleicht noch wichtiger ist, dass die PHZ die "digital skills" von Lehrkräften und Dozenten mittels Selbstlernangeboten stärken will. (hc / sda)
 
Hinweis: Sehr gerne publizieren wir die Kolumne "DSI Insights", in der sich Forscherinnen und Forscher der "Digital Society Initiative" (DSI) der Universität Zürich regelmässig zu aktuellen Themen äussern. So schrieb Professor Gianluca Miscione über den Blockchain-Hype und den Umgang damit und Michele Loi untersuchte die Frage, ob Algorithmen fair sein können, um nur die letzten beiden Texte zu erwähnen.