Swisscom setzt für Digital-Assets auf Deutsche Börse und Startups

Der Telco will ein weiteres Blockchain-Business in der Finanzbranche mit Partnern aufbauen. Zwei bekannte Namen fehlen in der Partnerschaft.
 
Man kann und wird traditionellen Vermögenswerten einen digitalen Repräsentanten, einen Token zuweisen und kriegt damit einen "Digital Asset", den man in der Folge handeln kann. Dafür benötigt es ein "Ökosystem" von Partnern sowie die nötige technologische und regulatorische Infrastruktur.
 
Swisscom, zwei mit Swisscom verflochtene Firmen sowie die Deutsche Bank sehen sich soweit, dass sie eine Finma-bewilligte, blockchain-basierte Digital-Asset-Plattform avisieren können. Dazu haben sie zum einen eine strategische Partnerschaft geschlossen und beteiligen sich zum anderen untereinander finanziell an zentralen Stakeholdern, wie die Unternehmen bekanntgeben.
 
Das entstehende Firmengeflecht basiert auf vier "Säulen": Die Tokenisierung und Emission von Digital Assets obliegt Swisscom, Deutsche Börse mit Sygnum.
 
Bei Sygnum handelt es sich um ein Fintech mit Schweizer Wurzeln, das Finanzdienstleistungen für die Digital-Asset-Wirtschaft erbringt. Die Kleinfirma hat eine Banken- und Wertpapierhandelslizenz in der Schweiz beantragt und wird unter anderem vom früheren Nationalbank-Präsidenten Philipp Hildebrand beraten. Das Startup ist bereits im Bereich Custody und der Blockchain-Aktien-Tochter Daura mit Swisscom verpartnert.
 
In der neuen, zusätzlichen Partnerschaft ist Sygnum mit Deutsche Bank im Lead beim Aufbau und Betrieb des Schweizer Finanzmarktplatzes, auf welchem man künftig Digital Assets handeln soll. Dieser steckt laut Firmenpräsentation aktuell noch in der Konzeptphase, sei aber "ein wichtiges Element für den Aufbau eines skalierbaren Ökosystems".
 
Das Startup steht auch im Zentrum des Aufbaus von Bankdienstleistungen, welche die Partner anbieten wollen. Dazu zählen Verwahrung, Einlagengeschäfte, Kredit- und Darlehensgeschäfte, Kapitalemissionen, Tokenisierung sowie Brokerage und Asset Management.
 
Swisscom will dereinst frisches Geld verdienen mit Blockchain-Infrastruktur-Lösungen für regulierte Finanzdienstleister. Dazu gehört Daura, eine Blockchain-basierte Plattform für Schweizer KMU, um Aktienregister zu führen oder um neue digitale Aktien und Partizipationsscheine herauszugeben. Sie wurde vor wenigen Tagen offiziell gelauncht und soll zu einer "Krypto-Alternative" zu herkömmlichen Wertschriften und Investment-Produkten heranwachsen.
 
Die strategischen Partner werden diese Kernelemente "entsprechend den Anforderungen der Marktteilnehmer gemeinsam weiterentwickeln", so die Mitteilung. "Gemeinsam" heisst auch, das Geld für Beteiligungen fliesst.
 
Die Deutsche Börse verankert sich im Schweizer Blockchain-Markt mehrfach. So mit einer Investition in Custodigit. Sie wird zusätzlicher Hauptaktionär des Joint Ventures von Swisscom und Sygnum im Custody-Bereich. Gleichzeitig beteiligt sich die Deutsche Börse an Daura. "Der Schwerpunkt der Gruppe Deutsche Börse liegt auch weiterhin auf der Investition in neue Technologien und der Weiterentwicklung von DLT.
Die Schweiz ist bekannt als Nukleus für Finanzmarktinnovationen und daher der ideale Ausgangspunkt für die Deutsche Börse, um diese Entwicklung voranzutreiben," so Jens Hachmeister, Managing Director, DLT, Crypto Assets and New Market Structure, Deutsche Börse, in der Mitteilung.
 
Sygnum investiert ebenfalls in Daura und werde sich aktiv an der künftigen Entwicklung beteiligen. Damit erhält Sygnum einen Fuss in die Tür im Segment nicht-börsennotierte Unternehmen.
 
Ist damit der Flugplatz gebaut, um die Plattform zum Fliegen zu bringen? Oder, andersherum: Ist das "Ökosystem" nun komplett oder werden andere Partner einbezogen werden? "Das Ökosystem ist komplett, mittelfristig könnten jedoch zusätzliche Partner einbezogen werden", sagt Swisscom-Sprecher Sepp Huber auf Anfrage.
 
Bei all den Rollen, all den Playern und Verflechtungen tauchen zwei Namen nicht auf. Der erste ist "Swisscom Blockchain", die 2017 begründete Tochterfirma, und laut dem Telco "Beratungskompetenz, Entwicklungskapazitäten und verlässliche und sichere Infrastruktur" biete. Frage an Swisscom: "Welche Rolle spielt die Swisscom Blockchain AG bei der Partnerschaft? Falls keine, warum nicht? "Swisscom Blockchain ist nicht direkt in die Partnerschaft involviert. Swisscom Blockchain unterstützt jedoch mit Beratungsleistungen sowie Onboarding der Kunden und Implementierung der Systeme", so Huber.
 
Ein zweiter, fehlender Name ist derjenige von Six. Warum spielt der Schweizer Börsenbetreiber, dessen blockchainbasierte Börse "Digital Exchange (SDX)
https://www.inside-it.ch/articles/53853--immer klarere Konturen gewinnt--, keine Rolle in dieser Partnerschaft? "Six geht einen anderen Weg. Im Gegensatz zu SIX zielen wir in einem ersten Schritt nicht auf Lösungen für börsenkotierte Unternehmen. Wir sind offen für eine Zusammenarbeit", erklärt der Swisscom-Sprecher. (mag)