Googles Cloud Region Zürich ist gelauncht

Urs Hölzle. Bild ts
Die Credit Suisse wird als erster Bankkunde präsentiert. Die Public Cloud aus der Schweiz kostet mehr als andere Regionen.
 
Klotzen statt kleckern scheint das Motto im Hause Google: Im Vorfeld der Lancierung der Google Cloud Region Zürich hatte der Hyperscaler ganzseitige Inserate in der Presse geschaltet. Heute dann lud der Konzern 800 Leute nach Zürich Oerlikon und flog eigens Infrastrukturchef Urs Hölzle ein.
 
Der Schweizer mit Wahlheimat Silicon Valley war dann auch für die Eröffnungskeynote und die Instruktion der Medien zuständig: Heute vor dreissig Jahren ging der erste Server des WWW live, so Hölzle, und nun kommt Google mit einer eigenen Region in die Schweiz. Auf einem Slide von Googles EMEA-Chef Sebastien Marotte war dann entsprechend zu lesen: "Ein grosser Moment für die Schweiz, ein grosser Moment für Google".
 
Zehn bis 20 Prozent Preisaufschlag für die "Heimat-Cloud"
Die Fakten jenseits des Marktpsalms: Google eröffnet die Region bekanntlich mit eigenen RZ-Ressourcen in der Schweiz. Wo man sich einmietet, wollte Hölzle auf Nachfrage nicht preisgeben. Bekannt ist, dass Google wohl bei Green in Lupfig sitzt. Die Region ist aber in drei Zonen geteilt, so dass die Ressourcen entsprechend verteilt sein dürften.
 
Die Schweizer Region ist in die weltweite Google-Infrastruktur integriert. Als Partner für die Anbindung an Googles Cloud Interconnect wurden Interxion und Equinix gewählt.
 
Google verspricht Latenzzeiten von neun Millisekunden, was gegenüber der nächsten Region Frankfurt eine Einsparung von acht Millisekunden ausmachen soll. Das Schweizer Angebot kostet aber: Mit rund zehn bis 20 Prozent Preisaufschlag müsse man rechnen, so Hölzle auf Nachfrage.
 
Die Zürcher Region startet mit dem Standardportfolio der Google Cloud Platfom (GCP) mit Produkten wie Compute Engine, Google Kubernetes Engine, Cloud Bigtable, Cloud Spanner und BigQuery.
 
Zusätzliche Google-Arbeitsplätze in der Schweiz könnten durch den neuen Dienst vor allem im Bereich Verkauf und Kundenbetreuung entstehen, sagte Hölzle. Der Konzern zählt in Zürich derzeit rund 3'000 Mitarbeitende.
 
Credit Suisse: "In einigen Jahren ein Grossteil der Apps in der Public Cloud"
Google präsentierte auch Kunden aus der Schweiz: Darunter etwa Roche, SwissLife, Valora,
Die Google-Cloud-Kunden. Bild: ts
Ricardo.ch, Swisscom, Digitec, Migros und Mobility. Im Vorfeld hatte Hölzle angekündigt, dass man mit der neuen Region insbesondere das Bankensegment adressieren wolle. Die Nachfrage aus dem Bereich sei gross, sagte er nun vor der Presse.
 
So fand auch Stephan Hug, Managing Director und Head of IT Strategie bei der Credit Suisse, den Weg auf die Bühne: Er sei "happy", dass die Region eröffnet sei und er hoffe auf die Plattform als Innovationstreiber, so der CS-Mann in seiner Keynote. Man stehe bei der Grossbank noch am Anfang der Reise, aber er sehe in einigen Jahren einen Grossteil der Apps der Grossbank in der Public Cloud. "Wir haben mit einer Private Cloud begonnen und unternehmen nun Schritte in die Public Cloud, wo wir einer Multi-Cloud-Provider-Strategie folgen", so Hug.
 
Momentan setzt die CS offenbar für Analytics und KI auf die Google Cloud. Diese beiden Schwerpunkte nannten auch die weiteren Google-Kunden, die Klinik Balgrist und der Haustechniker Belimo, auf der Hauptbühne.
 
Dieser Fokus mag damit zusammenhängen, dass sich dies gut auch den anwesenden Managern anpreisen lässt. Zudem ist für Analytics und KI-Anwendungen eine hohe und schnelle Skalierbarkeit von grosser Bedeutung. Aber Google ist in diesem Bereich aufgrund seines Geschäftsmodells auch einfach führend.
 
Dies bestätigten im Gespräch am Rande des Events auch Google-Cloud-Partner etwa von Zühlke, Ergon, Wabion und VSHN. Aber die KI- und Analytics-Anwendungen seien nur ein kleiner Teil des Geschäfts, vieles lasse sich schlicht nicht so gut öffentlich verkaufen. (ts)