Das RZ der SAK auf dem Prüfstand

Das Rechenzentrum Ostschweiz in Gais. Foto: RZO
Ende 2018 waren erst rund zehn Prozent der Fläche belegt. Der St.Galler Stadtrat findet seine Investition ins RZ Ostschweiz trotzdem richtig.
 
Gut ein Jahr nach dem Erstbezug hat der Stadtrat von St. Gallen Rechenschaft über die Investition ins Rechenzentrum Ostschweiz (RZO) der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) abgelegt. In einer einfachen Anfrage hatte der SVP-Stadtparlamentarier Christian Neff gefragt, wie "es um die 4-Millionen-Investition in das Datencenter Gais" steht.
 
In seiner Antwort ist der Stadtrat der Meinung, "dass der Entscheid, sich am Rechenzentrum Ostschweiz zu beteiligen, richtig war und dass die strategische Partnerschaft mit der SAK unter verschiedenen Gesichtspunkten zielführend und zukunftstauglich ist". Konkret wird die St. Galler 20-Prozent-Beteiligung am 20 Millionen Franken teuren Projekt mit dem Angebot von vertrauenswürdigen, regionalen Housing-Dienstleistungen begründet. Es handle sich um ein langfristig rentables Geschäft, das Mehrerträge für das St. Galler Glasfasernetz bringe und die Geschäftsbeziehung zwischen der SAK und den St. Galler Stadtwerken stärke.
 
Allerdings wurde auch eingestanden, dass "aufgrund der verspäteten Fertigstellung des RZO" der Umsatz für 2018 bei rund 50 Prozent der Werte aus dem Businessplan lag. Denn man habe "mit einem Geschäftsstart per 1.1.2018" gerechnet, wie es weiter heisst. Da sich der Businessplan des RZO aber über einen Zeitraum von 20 Jahren erstreckt, "ist die langfristige Rentabilität durch diesen Rückstand nicht in Frage gestellt".
 
Auf Ende 2018 seien rund zehn Prozent der gemäss Businessplan vermietbaren Fläche mit Kunden besetzt gewesen oder es hätten Verträge zur zukünftigen Nutzung bestanden, wird festgehalten. Zudem hätten mehr als 20 potentielle Kunden in den letzten Monaten Interesse gezeigt und entsprechende Offerten zur Unterbringung von IT-Infrastrukturen im RZO angefordert. "Wenn im laufenden Jahr ein Drittel dieser Interessenten einen verbindlichen Vertrag unterschreibt, ist das RZO bereits zu 30 Prozent ausgelastet". Könne das realisiert werden, bewege sich "das RZO per Ende 2019 aus Sicht des Businessplans trotz der Verzögerung bei der Fertigstellung des Rechenzentrums im Rahmen der geplanten Auslastung".
 
Was für eine Verzögerung?
Auffällig nur, dass bisher von einer Verzögerung in Gais keine Rede war. Vielmehr hatte das RZO bereits Ende 2017 erste Kunden genannt, die im Januar 2018 einziehen würden. Und obwohl zur Auslastung damals keine konkreten Angaben gemacht wurden, hiess es immerhin, 200 Quadratmeter RZ-Fläche sei voll ausgebaut, wenn auch noch nicht komplett belegt.
 
Grund genug beim CEO des RZO, Christoph Baumgärtner, nachzufragen, was denn nun richtig ist. Er betont zunächst, dass inside-channels.ch korrekt berichtet habe: "Drei Firmen sind im Januar 2018 und eine Firma im Februar 2018 eingezogen". Das sei geschehen, "obschon der Bau noch nicht zu 100 Prozent fertiggestellt war". Dabei benötigten die Kunden "aus unterschiedlichen Bedürfnissen zu diesem Zeitpunkt einen Standort, das RZO war wie geschaffen dafür", so Baumgärtner. Ende Mai 2018 habe dann zum Abschluss der Bauarbeiten das Eröffnungsfest stattgefunden. Die offizielle Inbetriebnahme erfolgte Anfang Juni. Zur vom Stadtrat ins Spiel gebrachten Verzögerung gibt’s kein Wort vom RZO-CEO.
 
Unklar bleibt Baumgärtner bei der Auslastung. Während der Stadtrat von zehn Prozent spricht, will man beim RZO zur derzeit real belegten RZ-Fläche nichts Genaues sagen. Der CEO verweist aber darauf, dass man 100 Racks in der ersten Phase im sogenannten Colo-Bereich installiert habe, die "in etwa die Fläche von 200 Quadratmetern in Anspruch" nehmen. Hier hätten alle bis jetzt eingezogenen Kunden Racks gemietet, fügt er an. Mehr ist ihm nicht zu entlocken.
 
Vielleicht erklärt sich diese Unklarheit etwas, wenn man sich Erinnerung ruft, dass das RZO gebaut wurde, ohne dass ein einziger Vertrag abgeschlossen worden war. Private RZ-Betreiber starten einen Neubau meist erst, wenn etwa ein Drittel der RZ-Fläche vergeben ist. Laut Baumgärtner sei das Vorhandensein von Kunden für die SAK als öffentliche Institution aber kein Kriterium gewesen. Vielmehr habe man in einer Markterhebung den Bedarf abgeklärt und dann den Bau realisiert.
 
Bei den Kunden ist wiederum Baumgärtner transparenter als der Stadtrat von St. Gallen. Der beruft sich auf die von "den Kunden des RZO geforderten Vertraulichkeit" um "keine Angaben zu einzelnen Kundenbeziehungen oder Interessenten" zu machen. Baumgärtner hingegen hatte schon vor über einem Jahr Firmen wie Lexo, Newvision Consulting, Orbitron Proserv, ctf Informatik und OBT als Kunden genannt. Neben denen, deren Namen man nennen dürfe, existierten aber auch solche, die "unsere diskrete Behandlung" schätzen, wie er anfügt.
 
Kryptominer als Kühlungs-Versuchskaninchen
Unabhängig von den Angaben der Stadtregierung ist eine andere Bemerkung von Baumgärtner interessant. Denn bisher sei eine Firma schon wieder ausgezogen und eine andere stehe kurz davor, wie er ausführt. Es handle sich "um zwei Krypto-Mining Firmen, mit welchen wir nur Verträge mit kurzer Laufzeit eingegangen sind". Grund dafür sei gewesen, dass man die Kühlsysteme richtig habe testen wollen. Deshalb "haben wir diesen Firmen für einen beschränkten Zeitraum erlaubt, ihre Server bei uns zu betreiben, damit wir nicht mit Heizlüftern die 250 kW Leistung simulieren mussten". Baumgärtner spricht in diesem Zusammenhang von einer "Win-win-Situation". (vri)