Stellt Googles Gaming-Offensive einen Milliarden-Markt auf den Kopf?

Mit Gaming-as-a-Service tritt Google sowohl gegen Hardware- als auch Plattform-Anbieter im Gaming an.
 
Googles kürzlich verkündeter Vorstoss in die Gaming-Welt könnte einiges durcheinanderbringen. Denn die Alphabet-Tochter will künftig selbst die grafik- und rechenintensivsten Games über den Browser auf jedem ans Internet angebundenen Gerät spielbar machen. Der neue Service namens "Stadia" wird dafür auf die immensen Cloud- und Netzwerk-Ressourcen des Tech-Giganten zurückgreifen.
 
Newzoo, ein Analytic-Unternehmen mit Fokus auf Games und E-Sports, bezifferte den globalen Gaming-Markt 2018 auf rund 135 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Wachstum von fast elf Prozent gegenüber dem Vorjahr und die Tendenz soll anhalten. Nicht in den Zahlen inbegriffen ist die teure Hardware für das Gaming: Bis 2023 dürfte der kombinierte Umsatz von Hard- und Software über 200 Milliarden Dollar betragen, schätzt etwa das Consulting-Unternehmen Digi-Capital.
 
Davon will Google offenbar einen Anteil und könnte zugleich sein Cloud-Business anstossen. Denn die Ressourcen in den Rechenzentren wird sich Google etwas kosten lassen, die Endgeräte hingegen können laut Google vom PC über den TV bis zum Smartphone reichen. Einzige Hardware, die man kaufen muss, ist das Gamepad, der sogenannte Stadia Controller.
 
Der Umsatz der drei grössten Game-Publisher betrug 2018 insgesamt 16,6 Milliarden Dollar, wie das 'Wall Street Journal' vorrechnet. Das ist wenig im Vergleich zu Googles Werbebusiness.
 
Aber: Zum einen kann der Konzern möglicherweise neue Kundschaft gewinnen, etwa solche, die sich keine teure Gaming-Hardware anschaffen wollen. Zum anderen will Google sein Geschäft diversifizieren. 2018 machte aber Alphabet mit dem Segment "Other", was fast alles ausserhalb des Werbegeschäfts umfasst, erst 15 Prozent des Umsatzes.
 
Zum Geschäftsmodell wollte sich Google nicht äussern. Laut 'Reuters' ist es aber erklärtes Ziel, neue Kunden für die Google-Cloud zu gewinnen. Man rege die Game-Publisher an, "so viel von seinem Backend wie möglich auf die Google-Server zu bringen", erklärte Google-Manager Phil Harrison.
 
Ob der Plan aufgeht, ist noch ungewiss
Google setzt mit Stadia auf das Konzept Gaming-as-a-Service, also auf ein Abo-Modell. Die grosse Rechenleistung muss daher durch eine schnelle Internetverbindung ersetzt werden, eine riesige Aufgabe etwa für Multiplayer-Games wie das beliebte Fortnite. Hier kommt Google seine globale Infrastruktur zu Gute, ob es aber tatsächlich gelingt, muss sich weisen.
 
Der Tech-Gigant konkurriert mit dem neuen Angebot nicht nur mit Anbietern und Verkäufern von Gaming-PCs und Konsolen, sondern auch mit Plattformen wie sie Microsoft und Electronic Arts, die Nummern drei und neun in der Gaming-Welt, angekündigt haben.
 
Ob die Wette aufgeht, ist noch ungewiss. Games zu besitzen dürfte manchem Zocker nach wie vor wichtig sein. Auch die Auswahl an Games ist derzeit offenbar noch gering, wie das 'Wall Street Journal' festhält. Zugleich könnte Google mit dem Preis punkten, vermuten Analysten.
 
Die Schweiz liegt laut Nezwoo im Umsatzvolumen übrigens auf dem 14ten Rang weltweit: 537 Millionen Dollar wurden demnach hierzulande mit Games ohne Hardware umgesetzt. (Thomas Schwendener)