Cybersecurity: Die Schweiz ist unbewusst inkompent

Angenehm unbürokratisch peitschte ICTSwitzerland-Präsident Marcel Dobler gestern Abend die 40. Delegiertenversammlung des IT-Dachverbands in Luzern durch. Der mit rund 400'000 Franken Eigenkapital ziemlich "reiche" Verband lebt von den Beiträgen der Firmenmitglieder, wie ein Blick auf die von Geschäftsführer Andreas Kälin präsentierten Geschäftszahlen zeigte. Auffallend ist, dass sehr viele internationale IT-Grössen wie Cisco, SAP, Cognizant, Google, Huawei und Accenture den Verband unterstützen. Neu ist auch Facebook zahlendes Mitglied, sagte Dobler gestern.
 
Dank kurz gehaltener Delegiertenversammlung blieb mehr Zeit für Inhalte, zum Beispiel die Präsentation der neuesten Umfrage zum Thema Cyberrisiken. Das Sozialforschungsinstitut gfs-Zürich befragte 1000 erwachsene Personen in der Deutschschweiz und der Romandie. Die Ergebnisse sind einigermassen erschreckend, denn sie zeigen, dass grosse Teile der Bevölkerung ihre Kompetenz in Sachen Cybersecurity überschätzt.
 
Immerhin 15 Prozent der Befragten sagten, sie seien schon einmal Opfer eines Angriffs aus dem Internet geworden. Gefragt wurde nach Angriffen, die konkrete Folgen wie finanzielle Schäden, Aufwände für Schadensbereinigung oder emotionale Belastungen hatten. Trotzdem ist mehr als die Hälfte (59 Prozent) der Befragten der Meinung, dass sie gut darüber informiert sei, wie man sich vor Angriffen aus dem Internet schützen kann. Und ganze 80 Prozent fühlen sich im Umgang mit dem Internet sicher. Dies obwohl rund die Hälfte der Befragten einfache Regeln der Cybersecurity nicht kennen oder nicht anwenden. So verwendet rund die Hälfte der Befragten das gleiche Passwort bei mehreren oder sogar allen Internet-Anwendungen.
 
Fazit: Das Gefühl der Mehrheit der Bevölkerung gut informiert und vor Cyberrisiken geschützt zu sein, ist oft unbegründet. Die Schweizer Bevölkerung leidet in Sachen Cyberrisiken unter "unbewusster Inkompetenz". (hc)