Die Zentralbank skizziert Perspektiven für Fintechs

Vor dem Wochenende haben Mitglieder des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vier Aspekte vorgestellt, die hierzulande für den digitalisierten Zahlungsverkehr bestimmend werden können. Im Rahmen eines auch schriftlich vorliegenden Referats (PDF) wurde zunächst darauf verweisen, dass sich der Wettbewerb um die Schnittstelle zu den Kunden und ihren Daten verschärfe. Banken mit einem traditionellen Filialnetz hätten in der digitalen Welt keinen Vorteil mehr.
 
Wandel durch den Fokus auf Kundendaten
Allerdings stelle der Fokus auf die Kundenschnittstelle und auf Kundendaten eine Herausforderung dar, wie es heisst. Denn grober Missbrauch und mangelhafte Verlässlichkeit könnten das Vertrauen in Zahlungssysteme und schliesslich in das Geld selbst stark beschädigen. Wenn der Zahlungsverkehr auch mit neuen Technologien und Möglichkeiten funktionieren und sicher sein soll, sei eine "vertiefte Diskussionen unter den Hauptakteuren am Finanzplatz Schweiz unerlässlich", hiess es bei der SNB weiter.
 
Fintech-Direktzugang zur SNB
Diskutiert wurden auch Fintechs, denen entweder wie in der EU ein indirekter Zugang zum Zahlungssystem über Banken offen steht oder ein direkter, wie ihn die SNB favorisiert. Statt den Umweg über eine Bank zu nehmen, also den Open-Access-Ansatz zu gehen, den die EU mit der neue Payment Services Directive wählt und der die Banken verpflichtet, Fintechs den Zugang zu Bankkonten zu gewähren, soll der Schweizer Weg mehr Wettbewerb möglich machen. Die SNB spricht denn auch vom Direct-Access-Modell, weil es Fintechs mit der entsprechenden Finma-Lizenz und einem "massgeblichen Geschäftsmodell im Zahlungsverkehr" den direkten Zugang zu den Kernsystemen des Zahlungsverkehrs gewährt, also zum SIC-System (Schweizer Interbanken-Zahlungssystem) und zu den SNB-Girokonten. Bei der 'NZZ' spricht man denn auch von einer fundamentalen Neuerung.
 
Blockchain und Co.
Als drittes Problem des künftigen digitalisierten Zahlungsverkehrs wurden mögliche Anwendung der neuen Distributed-Ledger-Technologie (DLT) thematisiert. Zwar habe sich "gerade in der Schweiz in den letzten Jahren ein Fintech-Ökosystem etabliert", dennoch habe sich gezeigt, dass die DLT dem herkömmlichen System im Zahlungsverkehr eben nicht überlegen sei. Anders sehe es beispielsweise bei der Wertpapierabwicklung aus, wo sich Blockchain-basierte Systeme durchaus etablieren könnten.
 
Für ihren Entscheid in Sachen Zahlungsverkehr derzeit darauf zu verzichten, verweist die SNB auf verschiedene andere Zentralbanken, die in enger Zusammenarbeit mit Privatakteuren mit DLT-Technologien experimentiert hätte, ohne nennenswerte Verbesserungen.
 
Cyber-Security als Wettbewerbsvorteil
Interessant für die Fintech-Branche dürfte auch der letzte Aspekt sein, den die SNB ansprach, nämlich die mit der Digitalisierung einhergehenden Cyber-Risiken. Da besonders der bargeldlose Zahlungsverkehr ein verlockendes Ziel für Cyber-Attacken sei, stehe für Zentralbanken "auch hier sehr viel auf dem Spiel", zumal ein Vertrauensverlust in den Zahlungsverkehr letztlich das Vertrauen ins Geld untergraben könne. Mit dem Verweis darauf, dass der Umgang mit diesen Risiken neue Geschäftsfelder eröffne, wurde betont, dass der Finanzplatz Schweiz sich durch "signifikant erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen Cyber-Risiken" einen wichtigen Wettbewerbsvorteil erarbeiten könne.
 
In diesem Zusammenhang nannten SNB-Vertreter als "vielversprechende" Lösung, die von einem Team der ETH Zürich kreierte Internet-Architektur Scion. Die Entwicklung des Kommunikationsprotokoll läuft schon seit Jahren und war 2014 von Branchenkennern noch als "interessanter Ansatz, aber unpraktikabel" eingestuft worden.
 
Wie jetzt hingegen die SNB festhält, liesse sich damit die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Internet-Kommunikation deutlich erhöhen. Damit würde sich diese Technologie als Beispiel für die Grundlage eines "Secure Swiss Finance Network" anbieten, heisst es weiter. Jedenfalls würde im Zahlungs-Ökosystem der Schweiz auf diese Weise eine sichere und flexible Kommunikation ermöglicht.
 
Insgesamt brauche es, um die genannten vier Herausforderungen anzugehen, einen offenen Dialog des hiesigen Finanzplatzes über die digitalen Strategien der Zukunft. Es sei nötig, dass sich die Beteiligten einig darüber werden, "wie ein solider, attraktiver und zukunftsgerichteter Zahlungsverkehr in der Schweiz aussehen soll". (vri)