Boeing-Absturz heizt Debatte um autonome Vehikel an

Der abtretende Daimler-CEO Dieter Zetsche sagte, dass die aktuelle Debatte um die Sicherheit der Flugzeuge von Boeing zeige, wie schwer es sein kann, Akzeptanz für die Technik von autonomen Fahrzeugen zu gewinnen.
 
"Was sehr wichtig ist, ist die psychologische Dimension. Wenn man sich ansieht, was mit Boeing passiert, dann kann man sich vorstellen, was passiert, wenn ein solches System einen Vorfall hat", wird Zetsche von 'Reuters' zitiert. Er kommentiert damit die Bemühungen der Automobilindustrie, autonome Fahrzeuge zu entwickeln.
 
Nach zwei Flugzeugabstürzen haben verschiedene Regulierungsbehörden das 737-MAX-Flugzeug bis zu einer Untersuchung darüber, ob das softwarebasierte automatisierte Flugsicherungssystem von Boeing sicher ist, zum Stillstand beordert.
 
Die Automobilindustrie sollte autonome Systeme schrittweise einführen. Dies soll auch die Akzeptanz für die komplexe, aber potenziell sicherheitsfördernde Technik erhöhen, sagte Zetsche weiter. "Selbst wenn autonome Autos zehnmal sicherer sind, als die von Menschen gefahrenen, braucht es nur einen spektakulären Vorfall, um es viel schwieriger zu machen, eine breite Akzeptanz zu gewinnen", wird der Daimler-Chef weiter zitiert.
 
Die Tests in der Schweiz zeigen, dass die Technik für autonomes Fahren noch in den Kinderschuhen steckt. So zeigte sich, dass die autonomen Busse, die seit Kurzem in Bern unterwegs sind, Regen als Hindernis wahrnehmen und deshalb stoppen. Die Busse in Sion schrecken vor wuchernden Weinreben zurück. Dennoch zog man beispielsweise in Sion nach einem Jahr – trotz Kinderkrankheiten – eine positive Bilanz. Auch international testet eine Reihe von Firmen autonome Fahrzeuge. Waymo beispielsweise hat eine kleine Flotte von selbstfahrenden Autos in Arizona im Einsatz.
 
Eine von 'Reuters' durchgeführte Befragung ergab, dass rund die Hälfte der Teilnehmer glauben, dass autonome Autos gefährlicher sind als Fahrzeuge, die von einem Menschen gesteuert werden. Und zwei Drittel sagen, dass sie kein autonomes Fahrzeug kaufen würden.
 
Die aktuellen Umfrageergebnisse fallen laut 'Reuters' ähnlich aus wie ein Jahr zuvor und zeigen, dass Hersteller der Technologie noch vor grossen Herausforderungen stehen. Eine Reihe von Unternehmen investiert in die Entwicklung von Technologien für autonome Autos. Während die Firmen bei Hard- und Software Fortschritte erzielen, zeigt die 'Reuters'-Befragung, dass es noch viel Mühe braucht, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zu gewinnen, was worüber schliesslich auch die kommerzielle Nachfrage entschieden wird. (kjo)