KI erobert(e) die Industrie

Botschafter Paul Seger begrüsst die Delegation von ICTSwitzerland an der Hannover Messe. Foto: zvg
ICTSwitzerland und Swissmem wollen die Schweiz als Partnerland an die Hannover Messe bringen.
 
Eine Industriemesse ist auch eine IT-Messe. Manche Hallen der gigantischen Hannover Messe, durch die der Schreibende zusammen mit rund 50 Teilnehmern der Schweizer Delegation von ICTSwitzerland gelotst wurde, erinnerten stark an die untergegangene CeBIT.
 
ICTSwitzerland wolle zusammen mit Swissmem, dem Verband der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, die Schweiz als Partnerland an die Hannover Messe bringen, sagte Verbandsdirektor Andreas Kälin zum Abschluss der eintägigen Reise. Unmöglich ist dies nicht: In diesem Jahr war Schweden als Partnerland präsent. Kälin betonte einmal mehr, dass die Schweizer ICT-Industrie ihren Exporterfolg steigern müsse. Grund: Die Aussenhandelsbilanz der ICT-Branche hat sich seit 2014 merklich verschlechtert. 2017 importierte die Schweiz rund 3,5 Milliarden ICT mehr als sie exportierte.
 
Machine Learning und Analytics (fast) überall
Eines der grossen Themen an der diesjährigen Hannover Messe war der Einsatz von Machine Learning in der Industrie. Dies zeigte sich exemplarisch an den Kurzpräsentionen von Schweizer Startups, die am Gemeinschaftsstand "Digital Factory" präsent waren. Einige Beispiele: Das Rheintaler Startup Mechmine entwickelt Lösungen für die automatisierte Überwachung von Getrieben und setzt für die Analyse der Daten auf KI. Doch so einfach scheint die Einführung von Sensorik und KI für Predictive Maintenance nicht zu sein. So sagte Lukas Ziegler vom Aargauer Getriebehersteller Rollstar, den die Delegation an der Messe besuchte, es gebe offene Fragen darüber, wem die Sensorik-Daten gehörten und wie sie zu schützen seien.
 
Ebenfalls von KI war in der Kurzpräsentation von Imnoo die Rede. Das Startup hat ein Tool entwickelt, mit dem CNC-Lohnfertiger und 3D-Druck-Anbieter rascher Peise kalkulieren können. Die Kalkulation könne in diesen Subbranchen bis zu 25 Prozent der Projektkosten betragen. Auch in der Präsentation des Neuenburger CSEM (Centre Suisse d'Electronique et de Microtechnique) war von Machine Learning die Rede. Und die Waadtländer Datapred setzt die Technologie ein, um Beschaffungsprozesse zu optimieren.
 
Den Einsatz von KI traf man auch in den Präsentationen von Accenture und IBM, durch deren Stände die Delegation geschleust wurde. Das für den Schreibenden eindrücklichste Beispiel von Industrie-Informatik zeigte der Mühlenhersteller Bühler auf dem Stand von Microsoft. Bühler zeigte die Nahrungsmittel-Reinigungsmaschine Laatu, die Körner, zum Beispiel Pfeffer, mittels eines Elektronendusche von Bakterien und Pilzen befreien kann. Bühler sammelt und analysiert nicht nur die Daten der Maschine in der Microsoft-Cloud, sondern speichert sie in einer Blockchain. Mit dieser kann man die Prozesse und Daten, die es braucht, um Zertifkate für die Lebensmittelsicherheit auszustellen, unveränderbar und unfälschbar abbilden. Bühler baute die Blockchain mit Standards der Ethereum Enterprise Alliance und der Azure Blockchain Workbench. (Christoph Hugenschmidt)