Mobiliar investiert zusätzliche 50 Millionen pro Jahr in Informatik

Legacy-Systeme loswerden und agiler werden kostet Geld und schafft Stellen.
 
Der Versicherer Mobiliar erhöht sein jährliches IT-Budget von 130 Millionen Franken auf 180 Millionen Franken. Dies während fünf Jahren. Dies erklärte Mobiliar-CEO Markus Hongler der 'Luzerner Zeitung'.
 
Mit der Budgeterhöhung sollen die Legacy-IT-Systeme des Versicherers schneller abgelöst werden. "Wir lösen zum Teil 20 Jahre alte Software durch unsere Neuentwicklungen ab. Das ist der grösste Brocken. Würden wir das Budget nicht erhöhen, bräuchten wir für die Modernisierung der IT-Landschaft zehn Jahre. So geht es in fünf Jahren."
 
Durch die Erneuerung der Kernapplikationen erhofft sich Hongler, dass der Versicherer agiler werde und neue Produkte schneller auf den Markt bringen könne.
 
Dies wird die zentrale Aufgabe von Thomas Kühne sein, der am ersten April 2019 die Stelle als CIO und Geschäftsleitungsmitglied von Mobiliar angetreten hat. Er sagte laut 'NZZ' an der Bilanzpressekonferenz, das wichtige elektronische Schadendossier sei live und als nächstes würden die Rechtsschutzversicherungen auf neue IT-Lösungen migriert.
 
Im Bereich Informatik ist Mobiliar mit unterschiedlichen Renovations- und neuen Aktivitäten beschäftigt: So habe man 2018 begonnen, "die vierte Generation der SAP-Software einzuführen", ein Kompetenzzentrum "Cyber Risk" begründet und in der IT ein Chief Information Security Office (CISO) aufgebaut.
 
Nicht zuletzt wurde die Beschaffung von Cloud-Services in einer zentralen Cloud Brokerage (CB) zusammengeführt. "Die CB vermittelt zwischen Business und IT und ist gleichzeitig Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Thema Cloud", heisst es beim Versicherer.
 
Damit die Erneuerung klappt, hat Mobiliar 150 neue IT-Stellen geschaffen, laut Geschäftsbericht sind es speziell Scrum Master, System Engineers und Softwareentwickler sowie in Data-Analytics-Fachleute. Der Versicherer beschäftigt nun 600 Informatiker.
 
Agile werden hat Einfluss auf die Methodiken. Bei Mobiliar sei die Einführung agiler Projektmethoden weit fortgeschritten, heisst es im Geschäftsbericht: "Mehrere Hundert Mitarbeitende arbeiten bereits mit dieser Methodik und wickeln damit rund zwei Drittel aller Projekte ab."
 
"Um die Kundenerwartungen auch in Zukunft zu erfüllen, treiben wir zudem den Einsatz datengetriebener Dienstleistungen und Technologien wie künstliche Intelligenz und die Umsetzung der Hybrid-Cloud-Strategie voran", heisst es zum Thema im Geschäftsbericht zudem.
 
Nicht zuletzt will man das Mobiliar-Ökosystem erweitern. Dabei soll Bexio eine zentrale Rolle spielen: "Bexio wird das Herz des KMU-Ökosystems sein. Rund um diese Systeme braucht es diverse Applikationen, die wir selber bauen oder hinzukaufen. Für solche 'Schnellboote', wie wir sie nennen, geben wir 10 Millionen Franken pro Jahr aus", so Hongler.
 
Die Mobiliar-Versicherung hatte das Startup Bexio 2018 für eine geschätzte Summe von 100 bis 115 Millionen Franken übernommen. Geld verdient Bexio laut CEO Hongler in der 'Luzerner Zeitung' nach wie vor keines. Dies sei aber auch nicht so wichtig, von Startups zu lernen sei viel wichtiger. (mag)