SBB und Postauto bündeln Digitali­sierungs-Know-how

Die zwei Verkehrsbetriebe SBB und Postauto wollen ihre Ressourcen bündeln und Doppelspurigkeiten bei der Digitalisierung abbauen. Die Unternehmen haben eine engere Zusammenarbeit in diesem Bereich beschlossen und heute dazu erste Verträge unterzeichnet.
 
Die Digitalisierung sei für beide Unternehmen ein wichtiges Thema, in das schon viel Geld investiert worden sei. "Wir können es uns jedoch nicht leisten, an jeder Ecke des Landes unterschiedliche Technologien anzuwenden und Versuche durchzuführen", sagte SBB-Chef Andreas Meyer vor den Medien.
 
Deshalb wollen die beiden Unternehmen unter anderem bei den digitalen Fahrplan- und Ticketanwendungen ihr Know-how teilen und die Kräfte bündeln. Von den dadurch entstehenden Synergien versprechen sich die Verantwortlichen Einsparungen in Millionenhöhe.
 
Sparen sei jedoch nicht das primäre Ziel. Vielmehr gehe es darum, mit weniger Geld mehr zu machen und dies erst noch besser und schneller, sagte der SBB-Chef gegenüber der Nachrichtenagentur 'sda'. Meyer hofft zudem, dass der Schulterschluss Signalwirkung für die ganze Branche hat.
 
Erstes Projekt der Kooperation ist eine neue Mobilitätsplattform der beiden Unternehmen. Auf der App sollen die Reisenden ein umfassendes Angebot vorfinden, so etwa Informationen über die Auslastung von Verbindungen oder allfällige Störungen.
 
Die gemeinsame Mobilitätsapp wollen Postauto und SBB bereits Ende Jahr als Testversion in Betrieb nehmen. Im Hinblick darauf wurde heute ein Pilotprojekt gestartet: Postauto verlinkt den Online-Fahrplan und den Ticket-Shop der SBB auf der eigenen Website. Die SBB ihrerseits testet, wie sie in ihren Online-Kanälen den Bahnkunden Angebote von Postauto prominenter anzeigen könnte.
 
Als weitere Dienstleistungen sollen später neben automatischem Ticketing auch kurzfristige und sitzplatzgenaue Reservationen in den Zügen hinzukommen. Zusätzlich sollen auch Car-, Bike- und Ridesharing-Angebote direkt in der App gebucht werden können. Als Partner für die neue App stehen nach Angaben Meyers unter anderem Mobility, Publibike oder Taxiunternehmen zur Diskussion, nicht jedoch Uber. Das Unternehmen erfülle gewisse Anforderungen nicht, etwa im Bereich Datenschutz oder in sozialer Hinsicht, sagte Meyer.
 
Durchaus offen zeigten sich die Chefs der Transportunternehmen dagegen für die Integration weiterer ÖV-Unternehmen in die neue App. SBB und Postauto beanspruchten keineswegs Exklusivität.
 
Zusammenspannen wollen SBB und Postauto auch im Bereich des automatisierten Fahrens und der selbstfahrenden Fahrzeuge. Es sei sinnvoll, diese Technologie gemeinsam weiterzuentwickeln. Ihre laufenden Versuche mit selbstfahrenden Bussen in Zug (SBB) und Sitten (Postauto) führen die beiden Unternehmen aber voraussichtlich getrennt weiter. (sda/kjo)