Assange in England verhaftet, in den USA angeklagt

Der Wikileaks-Gründer Julian Assange ist in London in der Botschaft von Ecuador verhaftet worden. Kurz zuvor hatte ihm Ecuador das vor knapp sieben Jahren gewährte Asyl entzogen. Assange hat seit Mitte 2012 in der Botschaft gelebt. Nun wirft ihm Ecuador vor, mehrmals gegen die Bedingungen für sein Asyl verstossen zu haben, unter anderem indem er weiterhin den Kontakt mit Wikileaks gepflegt habe.
 
Nachdem in Schweden 2010 eine Untersuchung wegen einer möglichen Vergewaltigung gegen Assange gestartet wurde, begann in Grossbritannien ein Auslieferungsprozess. In Grossbritannien wird Assange nun beschuldigt, dass er durch seine Flucht in die ecuadorianische Botschaft gegen Kautionsbedingungen verstossen habe. Dies war auch der unmittelbare Grund für die Verhaftung.
 
In den USA hatte das Justizdepartement schon im November 2018 bekannt, dass man weiterhin plane, Assange anzuklagen. Heute wurde nun auch der genaue Vorwurf bekannt gegeben: "conspiracy to commit computer intrusion", also eine Verschwörung zum Zweck, unerlaubt in einem Computer einzudringen.
 
Dabei geht es um den Fall Chelsea Manning im Jahr 2010. Assange habe der damaligen Aufklärungsspezialistin der US-Army dabei geholfen, das Passwort für ein Computersystem des Verteidigungsministeriums zu knacken. Manning hatte 2010 hunderttausende Dokumente sowie Videos des Verteidigungsministeriums, die hauptsächlich Afghanistan betrafen, an Wikileaks weitergegeben.
 
Die USA verlangt nun die Auslieferung von Julian Assange.
 
Auch in Schweden überlegt sich die Staatsanwaltschaft, die Untersuchung gegen Assange wegen Vergewaltigung wiederaufzunehmen und ebenfalls Assanges Auslieferung zu verlangen. Die Untersuchung war 2017 eingestellt worden, weil man damals keine Chance sah, Assange jemals befragen zu können. (hjm)