Kanton Aargau will sein Lohn-SAP standardisieren

Die Aargauer Kantonsverwaltung hat gegenwärtig ein aus dem Jahr 2004 stammendes und stark modifiziertes SAP-System zur Abrechnung der Löhne der Kantonsangestellten im Einsatz. Dieses soll nun zwischen 2019 und 2021 auf den aktuellen SAP HCM Standard umgestellt werden. Dies dürfte rund 6,5 Millionen Franken kosten. Der Regierungsrat hat dem Parlament einen entsprechenden Kredit beantragt.
 
Wie der Botschaft zu diesem Projekt (PDF) zu entnehmen ist, hatte der Kanton das SAP 2004 in Produktion genommen. Allerdings: Kantonsangestellte, beispielsweise Lehrpersonal oder das Personal der Gerichte, können gleichzeitig mehrere Jobs in der Verwaltung haben. Und solche Mehrfachanstellungen konnte man mit der Standardlösung von SAP damals nicht abbilden. Deshalb liess der Kanton sein System vom Schweizer SAP-Berater SAP Stäfa entsprechend modifizieren. Ähnliches taten damals auch andere Schweizer SAP-Kunden.
 
Nun befindet sich der Kanton in einer kontinuierlich ungemütlicher werdenden Situation. SAP Stäfa existiert schon längst nicht mehr. 2006 schloss sich das Unternehmen mit Mummert Consulting zusammen, danach gab es weitere Veränderungen und Übernahmen und die Weiterentwicklung und der Support für die "Stäfa"-Lösung wurde eingestellt. Deshalb, so der Regierungsrat, wird es laufend schwieriger noch Personen mit dem spezifischen "Stäfa"-Fachwissen zu finden.
 
SAP übernimmt keinen Support und keine Garantien für die modifizierten Funktionen und nimmt auch keine Anpassungen vor. Geplante Gesetzesänderungen auf Bundesebene wie beispielsweise die Revision der Quellenbesteuerung des Erwerbseinkommens per 1. Januar 2021 müssten vom Kanton selbst in der Software abgebildet werden. Der Kanton kann auch funktionale Neuerungen oder Korrekturen, die SAP standardmässig den Schweizer Kunden zur Verfügung stellt, nicht nutzen.
 
Seit 2014 allerdings unterstützt SAP HCM auch in der Standardversion die notwendigen Funktionen für Mehrfachanstellungen. Deshalb hat der Regierungsrat nun beschlossen, dass das Lohnabrechnungssystem auf diesen Standard zurückgeführt werden sollte. Andere Schweizer SAP-Anwender haben ähnliches bereits in den letzten Jahren getan, beispielsweise der Kanton Basel-Land 2014, die Post 2015, die Stadt Zürich 2016 oder der Kanton Solothurn 2017. (hjm)