EWL startet den Bau seines "Stollen"-RZs

Ein Schema des des neuen EWL-Rechenzentrums.
Es hat durchaus noch Platz für ein weiteres RZ in Luzern, sagt EWL-CEO Stephan Marty.
 
Luzerns Energie- und Infrastrukturversorger EWL (Energie Wasser Luzern) hat schon vor einiger Zeit den Bau eines eigenen Rechenzentrums in Luzern angekündigt. Nun ist der Baubeginn erfolgt. Im Wartegghügel in Luzern sollen in einer alten Zivilschutzanlage im Endausbau 1700 Quadratmeter IT-Nutzfläche verfügbar gemacht werden.
 
Wie EWL-CEO Stephan Marty in einem kurzen Telefonat mit inside-chnnels.ch ausführt, ist nach dem nun erfolgten Spatenstich zur ersten Ausbauetappe geplant, im nächsten Jahr auf einer kleineren Fläche den Betrieb aufzunehmen. Man rechne mit einer Bauzeit von etwa 18 Monaten.
 
Die Gesamtinvestitionen von rund 30 Millionen Franken sollen sich dereinst auf sechs Stollen mit je 150 bis 200 Quadratmeter und zehn Privaträume mit je 50 bis 100 Quadratmeter IT-Nutzfläche verteilen. Gebaut wird laut Marty in zwei Etappen, wobei für den jetzt begonnen ersten Bauabschnitt sicher nicht mehr als 15 Millionen Franken aufzubringen seien, wie er unterstreicht.
 
Bisher setzte das stadteigene EWL im RZ-Geschäft auf Arcade Solutions, ein Unternehmen das zwei RZs in Luzern betreibt und zu 75 Prozent im Besitz des EWL ist. Die EWL-Tochter wird einer der ersten Kunden im neuen RZ sein, wie Marty erklärt, und einen der beiden bisherigen Standorte konsolidieren. Zudem werde man als Infrastruktur-Betreiber der Stadt am neuen Standort wesentliche Teile des Eigenbedarfs abdecken. Ausserdem sei man bereits mit ersten externen Kunden im Gespräch.
 
Für weitere Akquisitionen werde der RZ-Chef sorgen, der nicht nur den Bau verantworte, so Marty weiter. Gemeint ist der seit langem nicht nur in den RZ-Kreisen der Schweiz bestens bekannte Frits van der Graaf, der erst kürzlich zu EWL gestossen ist.

Dass in Luzern bereits der Energieversorger Axpo mit seiner Tochter CKW drei RZs betreibt, sieht Marty nicht als Problem. Das EWL als Konkurrent sei durchaus verkraftbar, hält er fest. Zumal sonst kaum weitere RZ-Player in der Zentralschweiz vertreten seien. Vielmehr sieht er viel Potential auch über die Grenzen der Region hinaus. Eigne sich Luzern doch beispielsweise bestens als Redundanz- oder Backup-Standort unter anderem für den Grossraum Zürich.
 
Laut einer Mitteilung sollen die Stollen mit rund 530 Racks bestückt und redundant mit Strom, Kühlung aus Seewasser und Glasfaser versorgt werden. Angestrebt werde eine Zertifizierung TüV-IT Level "3 erweitert" und ISO 27001. Darüber hinaus wird betont, dass der Standort zwar nahe am See, aber doch erhöht gelegen sei, "so dass ein Hochwasserschaden ausgeschlossen werden kann. Selbst die vier Meter hohe Luzerner Tsunamiwelle anno 1601 hätte heutigen Hochrechnungen zufolge dem Rechenzentrum Stollen nichts anhaben können. Zu guter Letzt garantiert das harte Gestein des Wartegghügels ein absolut trockenes Klima im Rechenzentrum Stollen Luzern."

Die RZ-Kühlung erfolge mit Wasser aus dem Vierwaldstättersee und mit der Abwärme sollen die umliegenden Wohnquartiere beheizt werden. Im Rahmen des Umbaus der See-Energie Zentrale Inseliquai werde auch das RZ an das Netz angeschlossen, was eine redundante Kälte-Einspeisung mit zwei geografisch getrennten Versorgungswegen gewährleiste. (vri)