Es knorzt bei der SAP-Einführung am Luzerner Kantonsspital

Die Umstellung auf SAP hat im letzten Jahr den Rechnungsfluss beim Luzerner Kantonsspital (LUKS) verstopft, dass ist das Fazit eines Berichts auf 'Medinside.ch'. Der kürzlich vorgelegte Jahres- und Finanzbericht 2018 (PDF) weist einen negativen operativen Cash-Flow von über 110 Millionen Franken aus. Als Grund wird die "Einführung von SAP im Jahr 2018" genannt, die "zu einer Verzögerung der Rechnungsstellung" geführt habe.
 
Statt wie in den Vorjahren üblich um die 100 Millionen Franken nicht abgerechneter Leistungen auszuweisen, hat sich der Betrag im 2018 auf über 238 Millionen Franken mehr als verdoppelt. Allerdings gibt der Geschäftsbericht inzwischen Entwarnung, denn die "Fakturierungs-Performance der Vorjahre ist wieder erreicht". Doch müsse jetzt noch "zusätzlich der Rückstand aus dem verzögerten Rechnungsversand abgebaut werden", was im laufenden Jahr erfolgen solle.
 
Als Grund für die Verzögerung bei der Einführung der knapp 11 Millionen Franken teuren SAP-Software, gab das LUKS gegenüber 'Medinside.ch' ein nicht näher spezifiziertes "internes Schnittstellen-Problem" an. inside-it.ch wollte es genauer wissen und hat das LUKS unter anderem gefragt, ob ein Zusammenhang mit der für diesen Herbst geplanten Einführung des neue Klinikinformationssystems (KIS) vom amerikanischen Anbieter Epic bestehe. Das Kantonsspitals verneinte jedoch eine Verbindung zu dem mit rund 66 Millionen Franken ungewöhnlich teuren KIS-Projekt, das schon früh hohe Wellen geschlagen hat: "Das neue Klinikinformationssystem Epic ist noch nicht in Betrieb und steht daher in keinem Zusammenhang mit der Leistungsverrechnung".
 
Um was es konkret gegangen sei, wurde allerdings nicht gesagt. Das LUKS teilte lediglich mit, wie "an anderen Spitälern kam es am Luzerner Kantonsspital durch die Tarmed-Revision des Bundesrates sowie zusätzlich die Umstellung der gesamten administrativen Betriebssoftware des LUKS auf ein neues System (SAP/ERP) zu Verzögerungen bei der Rechnungstellung".
 
Weiter schreibt das LUKS: "Es entstand kein Schaden und es kommt zu keinen finanziellen Ausfällen – weder bei den Patientinnen und Patienten noch beim LUKS … Das Datum der Rechnungsstellung hat keine Auswirkungen auf die erbrachten Leistungen und Forderungen".
 
Allerdings spiegelt sich der verstopfte Rechnungsfluss durchaus im Jahresresultat des Kantonsspitals. Denn erst mit der Reduktion der erfassten, aber noch nicht abgerechneten Leistungen werden "auch die kurzfristigen Finanzverbindlichkeiten erheblich abnehmen", heisst es im LUKS-Jahresbericht.
 
'Medinside.ch' zeigt anhand der Zahlen zudem auf, dass die aussergewöhnliche Zunahme der nicht verrechneten Leistungen um rund 140 Millionen Franken zu einem negativen operativen Cash-Flow (umgangssprachlich "Geldverbrennung" genannt) von über 111 Millionen Franken geführt habe. Jedenfalls sei im Vorjahr der operative Geldfluss mit 70,6 Millionen Franken noch im positiven Bereich gewesen.

Ausserdem habe sich der entstandene negative Cash-Flow auch auf die flüssigen Mittel ausgewirkt, die sich im Vergleich zum Vorjahr von 38,6 Millionen Franken auf 7,3 Millionen Franken reduzierten. Die liquiden Mittel im Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital sind von über 18 auf unter vier Prozent geschrumpft. Und das LUKS habe im vergangenen Jahr eine Anleihe von 150 Millionen Franken aufgenommen.
 
Zudem weist das Newsportal darauf hin, dass die SAP-Einführung beim Luks schon früher für Schlagzeilen sorgt. Damals hatten in der 'Luzerner Zeitung' Mitarbeitende Mängel an der spitalinternen Medikamente-Bestellungen geäussert.
 
Aus Datenschutzgründen will das LUKS auch nichts zu einem erst kürzlich auf jobs.ch ausgeschriebenen Stelle sagen. Demnach wird für die Leitung des Betriebes und die Weiterentwicklung des neuen SAP ein neuer Leiter SAP CCoE (Customer Center of Expertise) gesucht. Vom neuen SAP-Verantwortliche wird jedenfalls erwartet, dass er oder sie "einen stabilen, geordneten und hochverfügbaren Betrieb des neuen SAP/ERP" sicherstellt. (vri)