US-Militär bietet Einblicke in die Cyberstrategie… Chinas

Mitten im Handelskonflikt zwischen den USA und China veröffentlicht das Pentagon einen Bericht zur Bedrohung aus dem Reich der Mitte. Einer der zentralen Befunde des Reports zuhanden des US-Kongresses lautet: Peking setze zur militärischen Modernisierung auf immer ausgeklügeltere Cyber-Operationen und den Diebstahl technologischer Geheimnisse in der digitalen Sphäre.
 
Man beobachte in beiden Bereichen zunehmende Investitionen seitens des chinesischen Militärs, so das US-Militär im Bericht. Schliesslich wolle China die Modernisierung 2025 abschliessen und seine "Volksbefreiungsarmee" bis 2049 in ein Militär der "Weltklasse" transformieren.
 
Die chinesische Regierung schaffe dafür auch langsam Anreize für den zivilen Sektor, seine Ziele und Aktivitäten an die Verteidigungsziele anzupassen. Bereits 2015 wurde der Plan "Made in China 2025" definiert, in dem das Reich der Mitte auch jene Technologien und Industriesektoren festlegte, in denen das Land bis 2025 führen sein will. Im US-Bericht wird nun behauptet, dieser unterstütze direkt die militärische Modernisierung, indem er fortgeschrittene Dual-Use-Technologien forciere – also Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können. Vor diesem Hintergrund akzentuieren sich die Vorwürfe in Richtung Huawei nochmals.
 
Als Beispiele nennt der Bericht Big Data, IoT, künstliche Intelligenz und Cloud Computing. Vor etwas über einem Jahr war aus China zu vernehmen, dass man zur KI-Supermacht Nummer Eins aufsteigen wolle und entsprechend in die Technologie investiere. Das US-Militär konterte diesen Februar mit der Ankündigung des Aufbaus eines "KI-Teams von Weltklasse".
 
Immerhin sehe sich Peking noch hinter Washington, so der Bericht des Pentagons: "China glaubt, dass seine Cyber-Fähigkeiten und sein Cyber-Personal hinter den Vereinigten Staaten zurückbleiben. Es arbeitet daran, die Ausbildung zu verbessern und die einheimische Innovation zu stärken, um diese wahrgenommenen Mängel zu überwinden und die Cyberspace-Kompetenzen voranzutreiben."
 
Der Cyber-Diebstahl von US-Geheimnissen sei auch deshalb hoch im Kurs, weil China hier aufholen wolle. Kombiniert werde diese Praxis mit dem Aufbau starker Kräfte zum Schutz der eigenen Netzwerke, die "alle Netzwerke dominieren sollen". Diese Einheiten würden dann zugleich zur kostengünstigen Abschreckung dienen, indem sie Cyber-Angriffe gegen Feinde durchführen.
 
Der Schluss der US-Militärs in Richtung des Kongresses ist drastisch: "Insgesamt drohen die cyberorientierten Kampagnen Chinas die militärischen Vorteile der USA zu untergraben und die Infrastruktur und den Wohlstand zu gefährden, auf die sich diese Vorteile stützen." (ts)