Wie gut passt IBM zu Red Hat?

Die US-Behörde bewilligt die Red-Hat-Übernahme durch IBM. Die beiden Firmenchefs Ginni Rometty und Jim Whitehurst erklären uns in Boston den Deal, die unterschiedlichen Firmenkulturen und welche Vision sie eint.
 
Das amerikanische Justizministerium gab grünes Licht für die 34 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Red Hat durch IBM. Wie "Big Blue" mitteilte, habe das Ministerium keine Kartellrechtsverletzungen gefunden, die gelöst werden müssten. Damit ist der Deal aber noch nicht in trockenen Tüchern – es fehlt noch die Zustimmung aus Europa.
 
So wurden an einer Pressekonferenz von Red-Hat-CEO Jim Whitehurst die Journalisten mit den Worten begrüsst: "Keine Fragen zu IBM." Whitehurst stand im Rahmen der Red-Hat-Konferenz in Boston Journalisten aus aller Welt Red und Antwort. Da noch die Zustimmung der EU-Behörden fehle, könne er nicht über die Übernahme sprechen, sagte er.
 
Der Deal ist dennoch Thema. Lieber sei er in den Händen von IBM, einem Unternehmen, "das Begeisterung für Open Source zeige" und mit der Open-Source-Community arbeite, führt Whitehurst aus, als in den Händen von Investmentfonds, "die sich nicht weniger dafür interessieren können". Ihre "Begeisterung" für Open Source betonte denn auch CEO Ginni Rometty in einem Gespräch mit Whitehurst auf der Bühne. IBM beschäftige sich schon lange mit Open Source, so die Firmenchefin. Sie würde nicht 34 Milliarden Dollar – "eine Menge Geld", wie sie sagte – zahlen, wenn sie nicht an die Zukunft von Open Source glauben würden. "Du hast sehr viel Geld für eine Firma bezahlt, die über kein geistiges Eigentum verfügt", scherzte der Red-Hat-Chef.
 
Unabhängig soll Red Hat bleiben, da sind sich die beiden CEOs einig. Und was die Kultur anbelangt sei eher IBM diejenige Firma, die sich anpassen solle, nicht Red Hat: "Das Red-Hat-Team hat hart an seiner Kultur gearbeitet. Sie sollen sie beibehalten", sagte Rometty.
 
Dass die Firmen-Kulturen aber wohl nicht ganz zusammenpassen,
"IBM zeigt Begeisterung für Open Source", sagt Jim Whitehurst.
war bei der Pressekonferenz mit Whitehurst herauszuhören. Bei IBM sei man sehr nett und höflich, währenddessen sei der Ton bei Red Hat schroffer. Dass eine Idee schlecht oder lächerlich sei, bekomme man schon mal zu hören, sagte Whitehurst: "Innovation benötigt konstruktiven Konflikt".
 
Teilen würden die beiden Firmenchefs aber eine gemeinsame Vision einer Hybrid- und Multi-Cloud-Welt. "Mit IBMs Grösse und Reichweite sowie Red Hats Portfolio und dem, was Red Hat in Open-Source-Communities investiert, kann man Business-Kunden einen echten Mehrwert bieten, wenn sie von der traditionellen zur hybriden und Multi-Cloud wechseln wollen", so Whitehurst. Die Container-Plattform OpenShift werde die Plattform werden, glaubt Rometty, und IBM sei auf einer Mission, Open Source zu skalieren. (Katharina Jochum, Boston)
 
Interessenbindung: Die Autorin wurde von Red Hat an den Boston Red Hat Summit eingeladen (Flug, Hotel).